Direkt zum Seiteninhalt springen
Ein Schuber mit Karteikarten aus einem Karteipaternoster in einem der Karteiräume des Stasi-Unterlagen-Archivs in Berlin.

Beispiele für MfS-Karteien

Von der Stasi überlieferte Karteien sind bis heute ein zentrales Findmittel im Stasi-Unterlagen-Archiv. Sie helfen dabei, durch das MfS archivierte Unterlagen auf der Grundlage verschiedener Informationen aufzufinden.

Zum Inhalt springen

An dieser Stelle werden einige der vom MfS überlieferten Karteien beispielhaft vorgestellt. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Karteien der Diensteinheiten des MfS sowie um Karteien, die zu den archivierten Ablagen der Abteilung XII führen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Hinweise zu Ordnungskriterien und Recherchierbarkeit der Karteien sowie die Angabe, ob diese zu Unterlagen führen.

Die zentrale Vorgangskartei "F 22"

  • Teilbestand: Abteilung XII (Zentrale Auskunft/Speicher)
  • Karteibezeichnung: Zentrale Vorgangskartei "F 22"
  • Umfang: 285 lfd. M.
  • Anzahl der Karteikarten: ca. 1,1 Millionen
  • Format: DIN A 6

Die Vorgangskartei wurde auf dem MfS-Formblatt Nr. 22 angelegt. Sie wurde von der für die Karteien zuständigen Abteilung 4 dieser Diensteinheit geführt. Wichtigste Information auf dieser Kartei ist die Registriernummer. Diese besteht aus drei Bestandteilen, die die Ordnung der Kartei bestimmen.

Primäres Ordnungskriterium ist das Jahr der Anlage des Vorgangs durch das MfS; innerhalb des Jahrgangs sind die Karteikarten nach laufender Nummer sortiert. Beiden Zahlen vorangestellt ist die Angabe des sogenannten Registrierbereichs, einer römischen Zahl, die Hinweise darauf liefert, welcher Bereich des MfS (in erster Linie neben der Abteilung XII auch Hauptabteilung I und Hauptverwaltung Aufklärung) bzw. welche Bezirksverwaltung die Erfassung vorgenommen hat.

Der Name der betreffenden Person (Klarname) wird auf diesen Karteikarten nicht genannt, stattdessen erscheint der Deckname. Erst die Kombination der Informationen aus F 16 und F 22 ermöglicht den Zugang zu den vom MfS registrierten archivierten Unterlagen.

Die Vorderseite der Karteikarte enthält auf der oberen Hälfte die Rubriken für interne Angaben, wie z.B. Registriernummer, Deckname, zuständige Diensteinheit, zuständiger MfS-Mitarbeiter, Archivsignatur. Der untere Bereich und die Rückseite waren für Eintragungen bei Veränderungen, wie z.B. Wechsel des zuständigen MfS-Mitarbeiters oder der Diensteinheit, vorgesehen.

Diese Kartei enthält auch Hinweise zu den Vorgangsarten und gibt somit Auskunft darüber, ob jemand vom MfS “bearbeitet“ wurde oder ob er Hauptamtlicher oder Inoffizieller Mitarbeiter des MfS war.

Wurde der Vorgang von der jeweils zuständigen Diensteinheit des MfS abgeschlossen und eine Archivierung verfügt, ist auf der Karteikarte auch die Archivsignatur verzeichnet, unter der die Akte aufzufinden ist.

Ausländerkartei der Abteilung 3 der Hauptabteilung VII

  • Teilbestand: Hauptabteilung VII (Abwehrarbeit in MdI und DVP)
  • Umfang: ca. 0,7 lfd. M.
  • Anzahl der Karteikarten: ca. 2.800
  • Format: DIN A 6

Die Hauptabteilung VII des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) war zuständig für die Überwachung des DDR-Innenministeriums und seiner nachgeordneten Organe und Dienstzweige. Dazu zählte auch das Zentrale Aufnahmeheim in Röntgental bei Berlin. Hierher wurden Zuwanderer und vor allem Umsiedler und Rückkehrer aus der (alten) Bundesrepublik zur Überprüfung eingewiesen. Für die Überprüfung der Aufnahme- bzw. Wiederaufnahmeverfahren war die Abteilung 3 der MfS-Hauptabteilung VII zuständig.

Aus der Tätigkeit der Hauptabteilung VII/3 ist eine so genannte Ausländerkartei erhalten, welche den Zeitraum von 1975 bis 1989 abdeckt. In ihr sind diejenigen ausländischen Bürger erfasst, welche einen Antrag auf ständige Wohnsitznahme in der DDR bzw. einen Asylantrag gestellt hatten. Zur Erstellung der Kartei wurden die MfS-internen Formblätter F 401 und F 402 verwendet. Teilweise sind auf den Karteikarten auch Passfotos vorhanden.

Das Beispiel zeigt eine Karteikarte zu einem algerischen Bürger, welcher einen Antrag auf ständige Wohnsitznahme in der DDR gestellt hatte, um mit einer DDR-Bürgerin zusammenleben zu können. Sie ist als Bezugsperson (BP) auf der Karteikarte aufgeführt. Bei personenbezogenen Anfragen an den BStU wird die vorgestellte Kartei in die Recherche einbezogen. Bei einem Recherchefund wird dies dem Antragsteller mitgeteilt.

Beispiel für eine Karteikarte der Ausländerkartei

Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskartei (VSH) der Abteilung V der Hauptabteilung XIX

  • Teilbestand: Hauptabteilung XIX (Verkehr, Post- und Nachrichtenwesen)
  • Umfang: ca. 0,2 lfd. M.
  • Anzahl der Karteikarten: ca. 950
  • Format: DIN A 6

Die seit Ende 1986 existierende Abteilung V der Hauptabteilung XIX (HA XIX) war für die Flugsicherung und die Terrorabwehr in der zivilen Luftfahrt zuständig.

Das Karteibeispiel zeigt die Erfassung eines Angehörigen des Wachpersonals, der an der Grenzübergangsstelle des Flughafens Schönefeld seinen Dienst versah.

Zur Erstellung dieser Kartei wurde das MfS-interne Formblatt F 401 und z. T. auch das Formblatt KNA 14 verwendet. Die Kartei ist alphabetisch nach Personennamen geordnet. Die einzelnen Karteikarten wurden zwischen Dezember 1986 und August 1989 angelegt.

Über die Kartei ist kein direkter Zugriff auf die zugehörigen Akten der Zentralen Materialablage (ZMA) mehr möglich, da diese nach 1990 neu signiert und mit Hilfe des Elektronischen Personenregisters (EPR) der BStU recherchiert sowie beauskunftet werden. Auch die VSH-Kartei selbst wurde ins EPR der BStU übernommen.

Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskartei (VSH) der Abteilung 1 der Hauptabteilung XIX

  • Teilbestand: Hauptabteilung XIX (Verkehr, Post- und Nachrichtenwesen)
  • Umfang: ca. 12 lfd. M.
  • Anzahl der Karteikarten: ca. 47.000
  • Format: DIN A 6

Entsprechend den Aufgaben der Abteilung 1 der Hauptabteilung XIX (HA XIX) wurde diese Kartei zu Mitarbeitern der Deutschen Reichsbahn und der Deutschen Bundesbahn angelegt.

Die Karteikarte dokumentiert die bei der Überprüfung einer Person, hier eines leitenden Angestellten der Reichsbahn in Halle, festgestellten Beobachtungen (Rückseite der Karteikarte) und verweist auf eine Operative Personenkontrolle durch das MfS.

Zur Erstellung dieser Kartei wurde das MfS-interne Formblatt F 401 und z.T. das Formblatt F 16 verwendet. Die Kartei ist alphabetisch nach Personennamen geordnet. Die Entstehung der einzelnen Karteikarten liegt zwischen Februar 1967 und Oktober 1989.

Über die Kartei ist kein direkter Zugriff auf die zugehörigen Akten der Zentralen Materialablage (ZMA) mehr möglich, da diese nach 1990 neu signiert und mit Hilfe des Elektronischen Personenregisters (EPR) der BStU recherchiert sowie beauskunftet werden. Auch die VSH-Kartei selbst wurde ins EPR der BStU übernommen.

Mit den enthaltenen Informationen ist auch ein Zugriff auf die überlieferte Dokumentenkartei der Abteilung gewährleistet. Diese diente nach der Definition des Wörterbuchs der Staatssicherheit zur „Aufnahme der zu jeder Information indexierten Deskriptoren, Erfassungsdaten und des Ablagevermerks zum Wiederauffinden der Originalinformation“.

Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskartei (VSH) der Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG)

  • Teilbestand: Hauptabteilung XXII (Terrorabwehr)
  • Umfang: ca. 24 lfd. M.
  • Anzahl der Karteikarten: ca. 95.600
  • Format: DIN A 6

In dieser Kartei wurden Personen oder Personengruppen erfasst, die durch das MfS als terroristisch oder gewaltorientiert eingestuft wurden. Zur Erstellung dieser Kartei wurde das MfS-interne Formblatt F 401 verwendet. Die Kartei ist alphabetisch nach Personennamen geordnet. Die Entstehung der einzelnen Karteikarten liegt zwischen 1977 und 1989.

Über die Kartei ist kein direkter Zugriff auf die zugehörigen Akten der Zentralen Materialablage (ZMA) mehr möglich, da diese nach 1990 neu signiert und mit Hilfe des Elektronischen Personenregisters (EPR) der BStU recherchiert sowie beauskunftet werden. Auch die VSH-Kartei selbst wurde ins EPR der BStU übernommen.

Mit den enthaltenen Informationen ist auch ein Zugriff auf die überlieferte Dokumentenkartei der AKG gewährleistet. Diese diente nach der Definition des Wörterbuchs der Staatssicherheit zur "Aufnahme der zu jeder Information indexierten Deskriptoren, Erfassungsdaten und des Ablagevermerks zum Wiederauffinden der Originalinformation".

Disziplinarkartei der Hauptabteilung Kader und Schulung

  • Teilbestand: Hauptabteilung Kader und Schulung (HA KuSch)
  • Umfang: ca. 22 lfd. M.
  • Anzahl der Karteikarten: ca. 78.000
  • Format: DIN A 6

Diese Kartei wurde durch die Hauptabteilung Kader und Schulung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) angelegt. Sie wurde zur Erfassung von Disziplinarverstößen von hauptamtlichen Mitarbeitern des MfS (einschließlich Wachregiment) und deren Angehörigen angelegt. Das konnten Straftaten, aber auch sonstige Vergehen sein, die vom MfS, ggf. aber auch von der Militärstaatsanwaltschaft, geahndet wurden.

Die Kartei ist alphabetisch nach den Nachnamen der hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS (einschließlich Wachregiment) geordnet. Wichtigste Information auf dieser Kartei ist (aus Sicht des MfS) der Disziplinarverstoß, der in schwerwiegenden Fällen zur Entlassung aus dem MfS und/oder zu Bestrafungen führte. Die Kartei enthält nicht nur Angaben zur Person des hauptamtlichen Mitarbeiters, sondern auch Hinweise zur Dienststelle und zur Dienststellung der erfassten Person im MfS (einschließlich Wachregiment). Ein weiteres wichtiges Merkmal sind die Angaben zur Archivsignatur, die auf Akten (z.B. Kaderakten oder förmliche Disziplinarakten) verweisen.

Zur Erteilung von Auskünften zu ehemaligen hauptamtlichen Mitarbeitern des DDR-Staatssicherheitsdienstes (§ 16 Stasi-Unterlagen-Gesetz) wird diese Kartei in die Recherchen einbezogen.

Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskartei (VSH) der Abteilung 5 der ZAIG

  • Teilbestand: Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG)
  • Karteibezeichnung: ZAIG/5, VSH
  • Umfang: ca. 18 lfd. M.
  • Anzahl der Karteikarten: ca. 72.300
  • Format: DIN A 6

Diese Kartei wurde durch die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG) des MfS angelegt.

Die ZAIG war u. a. verantwortlich für die Aufbereitung und Bereitstellung wichtiger Informationen zu ausgewählten Komplexen wie z.B. Einschätzung über die Tätigkeit westlicher Geheimdienste. Mit der 1974 eingeführten Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskartei (VSH) wurde die manuelle Such- und Vergleichsarbeit zu Personen und die Zusammenführung von Informationen zur selben Person gewährleistet.

Im Rahmen eines einheitlichen Informationssystems gliederte der Staatssicherheitsdienst die Kartei in 15 Personenkategorien (PK):

  • PK 1: Mitarbeiter und Agenten der gegnerischen Geheimdienste
  • PK 2: Leitende Mitarbeiter der Zentren der politisch-ideologischen Diversion
  • PK 3: Mitglieder von Terrororganisationen und einzelne Terroristen
  • PK 4: Mitglieder zionistischer feindlicher Emigranten-, klerikaler und anderer Organisationen
  • PK 5: Personen, die Aufträge gegnerischer Geheimdienste, der Zentren der politisch-ideologischen Diversion, zionistisch feindlicher Emigranten-, klerikaler sowie anderer Organisationen gegen die Staaten der sozialistischen Gemeinschaft ausführten
  • PK 6: Personen, die als Anschleusung des Gegners entlarvt wurden
  • PK 7: Personen, die nicht der Realität entsprechende Informationen angeboten hatten
  • PK 8: Personen, die provokatorische Aktionen auf den Territorien der Staaten der sozialistischen Gemeinschaft sowie gegen deren Vertreter und Bürger durchführten
  • PK 9: Personen, die aus den Staaten der sozialistischen Gemeinschaft ausgewiesen wurden
  • PK 10: Personen, die besonders gefährliche Staatsverbrechen begangen hatten
  • PK 11: Diplomaten und Mitarbeiter diplomatischer und konsularischer Vertretungen der NATO, Japans und der VR China
  • PK 12: Korrespondenten der NATO-Mitgliedsländer, Japans und der VR China
  • PK 13: Mitarbeiter von Handels- und Wirtschaftsvertretungen
  • PK 14: Mitglieder von Organisationen, die internationalen Schmuggel in großem Umfang betrieben haben
  • PK 15: Personen, deren Aktivitäten auf eine Schädigung der Wirtschaft der Staaten der sozialistischen Gemeinschaft gerichtet waren

In Zusammenarbeit mit anderen Diensteinheiten des MfS erfolgte seit 1979 die Erfassung und Pflege der Daten in der Datenbank „System der vereinigten Erfassung von Daten über den Gegner (SOUD)“, welche die Grundlage für die Zusammenarbeit der Staatssicherheitsorgane der Ostblockstaaten bildete.

Bei Anfragen an die BStU wird die Kartei in die Recherche einbezogen und bei Vorhandensein einer Akte wird dies dem Antragsteller mitgeteilt.

Rosa Karteikarte des Typs 'Formblatts 401', hier als VSH der Abteilung 5 der ZAIG.