Direkt zum Seiteninhalt springen

1.15 Bezirksverwaltung (BV) Schwerin

Zum Inhalt springen

Teilbestände

Struktur der Bezirksverwaltung (BV) Schwerin 1989

Leiter der Bezirksverwaltung

- Auswertungs- und Kontrollgruppe (AKG)

- Kontrollgruppe des Leiters (KGL)

- Abteilung XII (Auskunft, Speicher)

- Abteilung Kader und Schulung (KuSch)

- Medizinischer Dienst (MD)

- Arbeitsgruppe des Leiters (AGL)

- Wach- und Sicherungseinheit (WSE)

- Abteilung IX (Untersuchungsorgan)

- Abteilung XIV (Untersuchungshaft, Strafvollzug)

- Abteilung 26 (Telefonüberwachung)

- Abteilung Finanzen

- Offizier für Sonderaufgaben (OfS)

1. Stellvertreter

- Abteilung XVIII (Volkswirtschaft)

- Abteilung XIX (Post, Verkehr, Nachrichtenwesen)

- Abteilung XX (Staatsapparat, Kirche, Kultur, Untergrund)

- Arbeitsgruppe Geheimnisschutz (AGG)

- Bezirkskoordinierungsgruppe (BKG)

Stellvertreter Operativ

- Abteilung II (Spionageabwehr)

- Abteilung M (Postkontrolle)

- Abteilung VI (Passkontrolle, Grenzüberschreitender Verkehr, Tourismus)

- Abteilung VII (Ministerium des Innern, Deutsche Volkspolizei)

- Abteilung VIII (Beobachtung, Ermittlung)

- Arbeitsgruppe XXII (Terrorabwehr)

- Selbständiges Referat Abwehr Wehrkommando

- Selbständiges Referat Grenzsicherheit

- Selbständiges Referat Personenschutz (PS)

Stellvertreter für operative Technik/Sicherstellung

- Abteilung III (Funkaufklärung, Funkabwehr)

- Abteilung Operative Technik (OT)

- Abteilung N (Sicherstellung des Nachrichtenwesens)

- Abteilung XI (Chiffrierwesen)

- Selbständiges Referat Bewaffnung und Chemischer Dienst (BCD)

- Abteilung Rückwärtige Dienste (RD)

- Büro der Leitung (BdL)

Stellvertreter Aufklärung

- Abteilung XV (Aufklärung)

Kreisdienststellen (KD) (unterstanden dem Leiter der Bezirksverwaltung)

- KD Bützow

- KD Gadebusch

- KD Güstrow

- KD Hagenow

- KD Lübz

- KD Ludwigslust

- KD Parchim

- KD Perleberg

- KD Schwerin

- KD Sternberg

Weitere Unterlagen

- Leitung der Parteiorganisation

- Sportvereinigung Dynamo (SV Dyn.)

Die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Schwerin

Im Zuge einer Verwaltungsreform in der DDR wurden im Jahr 1952 per Gesetz[1] aus den ursprünglich sechs Landesverwaltungen für Staatssicherheit (Brandenburg, Groß-Berlin, Mecklenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) insgesamt 15 Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit (kurz BV oder BVfS) gebildet, analog zu den neu formierten Bezirken, zu denen nun auch Schwerin gehörte.

Die Diensteinheiten des Ministeriums und der Bezirksverwaltungen waren nach dem sogenannten Linienprinzip gegliedert. Diensteinheiten der Zentrale hatten demnach in der Regel ein Pendant in den Bezirksverwaltungen. So war z. B. in der Zentrale die Hauptabteilung XVIII für die Volkswirtschaft zuständig, in den Bezirksverwaltungen dementsprechend die Abteilung XVIII. Die Leiter der Bezirksverwaltungen für Staatssicherheit waren dem Minister für Staatssicherheit direkt unterstellt. Wie der Minister hatten sie jeweils vier Stellvertreter: Zwei waren für "operative Bereiche" zuständig, ein weiterer Stellvertreter koordinierte die "operativ-technische Sicherstellung" innerhalb der jeweiligen BV, und ein vierter war analog zur HV A für die "Aufklärung" und somit für die Abteilung XV zuständig. Die Abteilung XV der BV Schwerin hatte bei der Auslandsspionage im "Operationsgebiet" vor allem die Bundesländer Schleswig-Holstein sowie die Freien und Hansestädte Hamburg und Bremen inkl. der Exklave Bremerhaven im Fokus.[2]

Überdies waren im örtlichen Zuständigkeitsbereich der BV Schwerin noch Dienststellen bzw. Stützpunkte der HA I und der HA III des MfS vorhanden[3]:

Bislang konnten folgende Stützpunkte der Hauptabteilung I (Abwehrarbeit in NVA und Grenztruppen) und der Hauptabteilung III (Funkaufklärung) auf dem Gebiet des Bezirks Schwerin ermittelt werden:

Stützpunkte der Hauptabteilung I (Abwehrarbeit in NVA und Grenztruppen)[4] im Bezirk Schwerin:

HA I / MB V / UA 8. MSD - Schwerin
HA I / MB V / UA 8. MSD / MSR-27 - Stern-Buchholz
HA I / MB V / UA 8. MSD / MSR-29 / AB 8 - Hagenow
HA I / MB V / UA 8. MSD / PR 8 - Goldberg
HA I / MB V / UA 8. MSD / BMS-8 - Karow
HA I / MB V / UA Stab / AR-5 - Dabel
HA I / MB V / UA Stab / 5. RBr. - Demen
HA I / MB V / UA Stab / FuFu TAB-5 - Schwerin
HA I / LSK-LV / UA 3. LVD / HSG FRR-13 - Dargelütz
HA I / LSK-LV / UA 3. LVD / Ref. Laage - Laage
HA I / LSK-LV / UA 3. LVD / FRA-132 - Warin
HA I / Kdo GT / UA Grenzsicherheit - Schwerin
HA I / Abwehr Kdo GT / US VI - Glöwen[5], später Perleberg
HA I / Grenzkdo. Nord / UA Aufkl./Abwehr - Schönberg
HA I / Abwehr GKN / GR -8 - Grabow
HA I / Aufklärung GKN / GR -8 - Grabow
HA I / GKN / GR -8 / 2. GB - Dömitz
HA I / Abwehr GKN / GAR -5 - Glöwen, frühestens ab 1988 in Perleberg

Im Zeitraum 1974-1985 gab es noch eine als "Sonderschule des MfNV" getarnte "Zentralschule der HA I des MfS".[6] Dort wurden IM (HIM) ausgebildet, die für besondere Aufgaben vorgesehen waren[7], zum Beispiel als Truppen- und Einzelaufklärer oder sogar als Einzelkämpfer. Diese Zentralschule, ein ehemaliges Herrenhaus der Grafen von Bernstorff[8], befand sich auf der kleinen Stintenburginsel[9] im Schaalsee (Kreis Hagenow)[10] im Grenzbereich, in deren Nähe auch Teile des 6. Grenzregimentes des II. Grenzbataillons stationiert waren[11], sodass sich die Zugehörigkeit zum MfS gut legendieren ließ.[12]

Stützpunkte der Hauptabteilung III (Funkaufklärung) im Bezirk Schwerin waren[13]:

Stützpunkt "Utecht", bei Utecht, Kreis Gadebusch (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Stickstockenberg" bei Lassahn nahe Zarrentin, Kreis Hagenow (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Granziner Heidberge" bei Granzin, Kreis Lübz (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Höhe 65,9" bei Boizenburg, Kreis Hagenow (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Klein Schmölen" bei Dömitz, Kreis Ludwigslust (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Weißer Berg" bei Perleberg, Kreis Perleberg (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Höhe 49,4" bei Lanz, Kreis Ludwigslust (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Höhe 79,3" bei Schlagsülsdorf, Kreis Gadebusch (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Zeetzer Berge" bei Zeetze, Kreis Hagenow (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Stein Berg" bei Karenz, Kreis Ludwigslust (HA III, Abt. 6)
Stützpunkt "Höhe 20,6" bei Cumlosen, Kreis Perleberg (HA III, Abt. 7)
Funkpeilstelle "FPS 577" bei Lübtheen/Langenheide, Kr. Ludwigslust (HA III, Abt. F/2)
Abhöranlage "Quelle 3" südlich von Netzow bei Glöwen in einem Waldgebiet ("Scharfe Berge"), Kreis Perleberg (HA III, Abt. 7, Ref. I)[14]

Der Bezirk Schwerin mit einer Fläche von 8.672 km², welcher per 31.12.1989 insgesamt 595.171 Einwohner zählte[15], war überwiegend agrarisch geprägt. In den Zuständigkeitsbereich der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Schwerin gehörten 10 Kreisdienststellen (KD): Bützow, Gadebusch, Güstrow, Hagenow, Lübz, Ludwigslust, Parchim, Perleberg, Schwerin[16] und Sternberg. Die Bezirksstadt Schwerin bildete das politische und ökonomische Zentrum des Bezirkes.

Vier der zehn Kreisdienststellen lagen in Kreisen mit einer Grenze zur Bundesrepublik Deutschland (Gadebusch, Hagenow, Ludwigslust und Perleberg). Deshalb bestand auch im örtlichen Zuständigkeitsbereich der BV Schwerin seit 1986 eine Unterabteilung Grenzsicherheit, zunächst Strukturteil der HA I mit 14 Planstellen[17], welche drei Jahre später, d. h. ab Juli 1989, in ein Selbständiges Referat der BV Schwerin umgewandelt werden sollte[18]. In den vier genannten Kreisdienststellen wurden Grenzbeauftragte des MfS eingesetzt. Das Ziel war die Perfektionierung der Grenzsicherheit zur Verhinderung der "Republikflucht" von DDR-Bürgern in den Westen.

In den damaligen Kreisen Hagenow und Ludwigslust[19] sowie Perleberg lag die Fernverkehrsstraße 5 (F 5)[20], welche bis November 1982 als Transitstrecke genutzt worden ist. Auf dieser Strecke und an der Grenzübergangsstelle Horst wurde bis dahin der Reise- und Transitverkehr überwacht. Im November 1982 wurde die durch die Kreise Hagenow, Ludwigslust und Parchim[21] sowie Perleberg führende Nordautobahn mit dem Autobahnabschnitt Wittstock-Zarrentin zwischen Hamburg und Berlin[22] fertiggestellt. Damit wurden auch der Reise- und Transitverkehr örtlich verlagert. Der Transitverkehr wurde nun an der Grenzübergangsstelle Zarrentin abgefertigt, während der sog. kleine Grenzverkehr weiterhin über die Grenzübergangsstelle Horst abgewickelt worden ist. Besonderes Augenmerk lag bei der bis 1989 erfolgten Überwachung des Reise- und Transitverkehrs auf dem Raststätten- und Tankstellenkomplex Stolpe im Kreis Parchim.

Zum Bezirk Schwerin gehörte auch ein Eisenbahngrenzübergang für den Güter- und Personenverkehr – der Grenzbahnhof Schwanheide (Kreis Hagenow) sowie ein Grenzübergang für den Binnenfrachtschifffahrtsverkehr[23] in Cumlosen (Kr. Perleberg). Die an den Grenzübergangsstellen (Güst) agierenden Passkontrolleinheiten waren im Rahmen der Linie VI der BV Schwerin unterstellt.

_______________________

[1] Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der Deutschen Demokratischen Republik v. 23. Juli 1952 (s. a. http://www.documentarchiv.de/ddr/1952/aufloesung-laender_ges.html).
[2] näheres in: Der Bundesbeauftragte, MfS Handbuch zur HV A, S. 311-313.
[3] siehe Struktur der BV Schwerin.
[4] BStU, MfS, BV Schwerin, Abt. XII Nr. 25; vgl. Wiedmann, S. 222ff.
[5] Mai 1971 – April 1973 Unteroffiziersschule VII in Potsdam, danach in Glöwen (ehem. Kr. Perleberg, heute Landkreis Prignitz in Brandenburg) – http://de.wikipedia.org/wiki/Unteroffiziersschule_%28NVA%29.
[6] nachgewiesen u. a. in BStU, MfS, AOP 7276/91, Bd. 7, S. 205 (Bericht über die Aussprache mit zwei Lehrgangsteilnehmern an der Zentralschule der Hauptabteilung I v. 22.12.1982).
[7] Eliteeinheit unter dem Namen "Einsatzkompanie Grenze".
[8] Der letzte der Besitzer, Albrecht Graf von Bernstorff, wurde als Hitlergegner in Berlin-Moabit 1945 ermordet.
[9] 400 x 190 m, Fläche 5 ha (d.h. 50.000 m² bzw. 0,05 km²).
[10] nördlich von Zarrentin, bei Lassahn, auf der Verbindung zur größeren Insel Kampenwerder.
[11] d.h. die "Kompanie Sicherstellung Lassahn" und v. a. der "Bootszug" mit vier Grenzbooten bei der Stintenburg.
[12] Wolf, S. 93.
[13] Schmidt, S. 240.
[14] ebenda, s. auch S. 78; Wiedmann, S. 230, 300; Knabe, S. 211, 237; http://www.manfred-bischoff.de/Quelle3.htm.
[15] Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1990, Herausgegeben vom Statistischen Amt der DDR, Rudolf Haufe Verlag, Berlin 1990, S. 390 – s. a. http://www.digizeitschriften.de/dms/toc/?PPN=PPN514402644.
[16] für die beiden Kreise Schwerin-Stadt und Schwerin-Land.
[17] Unterabteilung Grenzsicherheit der Abt. GS in der HA I (UA GS): nur in Bezirken mit West-Grenzkreisen per Befehl 2/86 des Ministers v. 20.1.1986 "zum Einsatz von Grenzbeauftragten des MfS und zur Bildung der Abt. Grenzsicherheit und von Unterabteilungen Grenzsicherheit in der HA I"; BStU, MfS, BdL/Dok. Nr. 5773 – s. Wiedmann, S. 253; 221f., 384; MfS, BV Schwerin, KD Bützow, Nr. 10298, und MfS, BV Schwerin, KD Sternberg, Nr. 4564; vgl. Wolf, S. 84; Engelmann, S. 113. Honecker hatte persönlich den Einsatz von Grenzbeauftragten als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates bestätigt. Vgl. Vorläufige Grundsätze für die Arbeit der Grenzbeauftragten des Ministeriums für Staatssicherheit in den Grenzkreisen an der Staatsgrenze der DDR zur BRD v. 20.1.1986, S. 7; BStU, MfS, DSt 103253 – s. Wolf, S. 41.
[18] gem. Schreiben des Ministers über Strukturveränderungen im Bereich des Stellvertreters des Leiters der HA I/KGT v. 06.07.1989; in der BV Schwerin erst m. W. v. 01.11.1989, unvollendet inkl. Referaten auf Kreisebene umgesetzt, geleitet v. ehem. Grenzbeauftragten auf Bezirks- bzw. Kreisebene – s. Wolf, S. 6; MfS, BV Schwerin, KD Bützow, Nr. 10298, und MfS, BV Schwerin, KD Sternberg, Nr. 4564. Vgl. Schreiben des Ministers über Strukturveränderungen im Bereich des Stellvertreters des Leiters der HA I/KGT v. 6.7.1989; BStU, MfS, DSt 103609, und Thesen für die Dienstbesprechung des Stellvertreters des Ministers, Genossen Generalleutnant Neiber, mit den Stellvertretern Operativ bzw. 1. Stellvertretern der Leiters der Bezirksverwaltungen mit Staatsgrenze und ausgewählten Leitungskadern der HA I sowie der ZKG über Strukturveränderungen im Bereich des Leiters der HA I/KGT am 21.7.1989; BStU, MfS, Sekretariat Neiber 222, S. 226 – s. Wolf, S. 84.
[19] heute Landkreis Ludwigslust-Parchim.
[20] heute Bundesstraße 5 (B 5).
[21] heute Landkreis Ludwigslust-Parchim.
[22] heute Autobahn 24 (A 24).
[23] Für Fahrgastschifffahrt in der Personenbeförderung bzw. im privaten Bootsverkehr war diese Güst gesperrt. Die Abfertigung fand nicht an Land sondern mitten auf der Elbe statt. Privatboote im Transit nach Westberlin mussten auf Frachtschiffe verladen bzw. transportiert werden. - http://www.ddr-binnenschifffahrt.de/historie-grenzen-elbe1.htm.