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Akten im Zentralarchiv des BStU in Berlin.

Hinweise zur Arbeit mit Stasi-Quellen

Stasi-Unterlagen heben sich von anderen historischen Quellen ab. Die Akten wurden im Geheimen angelegt. Ihre Inhalte waren nur für wenige Augen gedacht. Viele Informationen wurden widerrechtlich gesammelt. Bei ihrer Lektüre, Analyse und Auswertung im Unterricht gilt es daher Einiges zu beachten.

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Herkunft der Quellen

Bei den Stasi-Unterlagen handelt es sich sowohl um Quellen, die von der Geheimpolizei verfasst wurden, als auch um persönliche Dokumente der Überwachten, beispielsweise um einbehaltene Briefe und Fotos. Im Alltagsgeschäft entschied die Stasi selbständig, wen sie für verdächtig hielt, wie viele und welche Informationen sie über die "Zielperson" sammelte und welche Maßnahmen sie einleitete. Um in das Visier der Stasi zu geraten, genügten mitunter kritische Äußerungen am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit oder im Freundeskreis, wenn dort inoffizielle Mitarbeiter eingeschleust waren. Viele Stasi-Unterlagen wurden unter Verletzung der Menschenrechte gesammelt.

Aussagewert der Quellen

Als Geheimpolizei und Geheimdienst war das MfS an überprüfbaren und gesicherten Fakten interessiert. Die Unterlagen waren in der Regel nur für kleinste, geschlossene Kreise gedacht und dienten nicht der propagandistischen Außenwirkung des Ministeriums. Der Sachinhalt der Unterlagen ist weitgehend zuverlässig – politische oder Charaktereinschätzungen sind hingegen stets kritisch zu lesen, da sie ausschließlich die Perspektive der Stasi/der SED wiedergeben.

Oberstes Ziel aller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) war der Schutz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Die Interpretationen, Wertungen und Schlussfolgerungen, die in den Unterlagen zum Ausdruck kommen, unterlagen diesem Ziel.

Leitfragen zur Quelleninterpretation

Fünf Fragen können bei der Quelleninterpretation generell hilfreich sein: 

  • Wer hat die Quelle geschrieben?
  • Weshalb wurde die Quelle geschrieben?
  • Für wen wurde die Quelle geschrieben?
  • Wann wurde die Quelle verfasst?
  • Welchen Sachverhalt schildert die Quelle?

Stasi-Unterlagen bilden in der Regel längerfristige Überwachungen von oppositionellen Gruppierungen oder Personen ab. Zur Interpretation von Stasi-Unterlagen als Quelle ist es daher sinnvoll zusätzlich zu fragen:

  • In welchem geheimdienstlichen Zusammenhang steht das Dokument? Werden zum Beispiel weitere Personen oder Vorgänge erwähnt?
  • In welchem politischen Zusammenhang steht das Dokument? Spiegelt sich in ihr zum Beispiel ein besonderes Ereignis oder eine besondere politische Situation wider?
  • In welchem biografischen Zusammenhang steht das Dokument? Werden zum Beispiel berufliche Entscheidungen, persönliche Motive oder Einflussnahmen auf Lebenswege genannt?

Prinzipiell ist immer zu fragen, welches Ziel die Stasi mit ihrem jeweiligen Vorgehen konkret verfolgte, welche Erkenntnis sie beispielsweise gewinnen wollte.

Kontakt und weitere Informationen

Bildungsteam

"Haus 1" Ruschestraße 103
10365 Berlin

Telefon: 030 2324-8937
E-Mail: bildung@bstu.bund.de