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Forschungsschwerpunkte

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Das Verhältnis des MfS zur Staatsanwaltschaft in der politischen Justiz des SED-Staates – in der Zeit von Ulbricht zu Honecker

Nach bisherigem Forschungsstand gelten die politischen Prozesse in der DDR als vom MfS dominiert. Der Staatsanwaltschaft wird vor allem für die 50er Jahre eine eher untergeordnete Rolle zugemessen. Diese wurde in den 90er Jahren als eindeutiges Unterordnungsverhältnis beschrieben, die Staatsanwälte gar als "Erfüllungsgehilfen" des MfS.

Neuere Erkenntnisse legen die Vermutung nahe, dass diese Beziehung keineswegs statisch war, sondern einem sich verändernden Wechselverhältnis unterlag. Das Projekt soll die verschiedenen Berührungsflächen von MfS und Staatsanwaltschaft anhand von exemplarischen Prozessunterlagen und relevanten Quellen untersuchen.

Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich in Wesentlichen von den Ulbrichtschen Justizreformen bis zum Ende der DDR. Dieser zeitliche Rahmen ist weitgehend identisch mit der Amtsperiode des zweiten Generalstaatsanwaltes der DDR.

Für das Projekt sind ab 2016 ca. drei Jahre eingeplant. Es soll mit einer Monographie abschließen.

Projektleiter

Dr. Christian Booß
E-Mail: Christian.Booss@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Mitarbeiter

Sebastian Richter

SED und MfS: Eine Beziehungsgeschichte

"Schild und Schwert der Partei" – so nannte sich bekanntlich das Ministerium für Staatssicherheit selbst. Mit dem "Schild" sollten tatsächliche oder vermeintliche Angriffe auf die Alleinherrschaft der Partei abgewehrt werden. Das "Schwert" symbolisierte, wie mit tatsächlichen und vermeintlichen Angreifern auf die SED-Herrschaft umzugehen sei. Diese Metapher verweist zugleich darauf, dass die Rede vom "Verhältnis" von SED und MfS schon vom Ansatz her ein Problem in der Analyse verdeckt. Zwar war das MfS formal eine staatliche Institution, die aber de facto jeder staatlichen Kontrolle entzogen war.

Die Staatssicherheit ist als verlängerter Arm sowjetischer Dienste gebildet (1946-1953/54) und bis zum Ende der 1950er Jahre immer stärker in die Verantwortung der SED überstellt worden. Schließlich wurde sie in die alleinige Obhut der SED übergeben, ohne dass der sowjetische Einfluss bis 1989 restlos verschwunden wäre. Ganz im Gegenteil, es spricht vieles dafür, dass die Stasi ebenso wie die SED in zentralen Fragen und Angelegenheiten bis zuletzt eine Dependance Moskaus blieb. Doch darum soll es nicht gehen.

Sehr wohl aber um die Frage, inwiefern die Staatssicherheit ein Instrument der SED war oder ob es nicht historisch zutreffender sei, die Stasi als einen Teil des SED-Parteiapparates anzusehen. In dieser Perspektive jedenfalls stellen sich manche Fragen in der "Beziehungsgeschichte" anders, als wenn man von zwei Institutionen und ihrer Beziehung zueinander ausgeht.

Bislang ist in der Forschung kaum konturiert worden, wie sich die gemeinsame Arbeit von SED und Stasi konkret realisierte. Und wenn, dann ist diese Perspektive zudem fast ausschließlich auf die zentrale Ebene (MfS-Leitung, SED-Politbüro, ZK-Apparat der SED, insbesondere Abt. Sicherheit) gerichtet worden.

Im Zentrum dieses Projekts hingegen stehen verschiedene Hierarchieebenen bis zu einzelnen Institutionen, außerdem sollen spezielle Themenbereiche näher beleuchtet werden. Die forschungsleitende Fragestellung bezieht sich dabei auf die gemeinsame Arbeit von SED und MfS. Es wird gefragt nach Abgrenzungen, Kompetenzen und Kompetenzstreitigkeiten, Befugnissen, gemeinsamen und gegensätzlichen Interessen, nach Befehls-, Anleitungs- und Unterstellungsstrukturen sowie danach, in welchen gesellschaftlichen Räumen das MfS nicht anwesend war.

Prinzipiell wird dabei von der These eines reaktiven Instruments ausgegangen, das nur in Ausnahmefällen operativ-prophylaktisch tätig wurde. Das Ziel der Studie besteht darin, das konkrete Wirken des MfS als Teil des SED-Apparates herauszuarbeiten und dabei zugleich die These zu prüfen, dass die Stasi Teil des SED-Apparates war.

Im Gegensatz zur Geschichte des MfS ist die Geschichte der SED bislang nur als politikhistorisches Phänomen erforscht worden. "SED-Geschichte" wird nicht selten als generelle politikhistorische DDR-Geschichte missverstanden oder so gezeichnet. Die Geschichte der Staatssicherheit hingegen ist mittlerweile bis in viele Verästelungen hinein untersucht worden: Sowohl die Geschichte des Apparates wie auch die Wirkungsgeschichte der Stasi fanden und finden breite Beachtung.

Die oft unter "Verhältnis von SED und MfS" firmierenden Studien haben sich vor allem auf die SED-Parteiorganisation in der Stasi selbst konzentriert. Dabei spielte die SED-Parteiorganisation des MfS historisch keine sonderliche Rolle, es sei denn man nimmt sie als parteiinternes Kontrollgremium wahr. Diese Aufgabe hatte sie bis 1989, so wie auch die Parteiorganisation im ZK der SED.

Eine zweite Forschungsrichtung fragte nach dem Verhältnis von SED-Führung und MfS-Leitung. Die Konzentration auf die oberste Hierarchieebene zeigte zwar das spannungsreiche Verhältnis zwischen SED-Führung und MfS-Leitung bis 1957. Sie blieb aber in Bezug auf die tatsächlichen Arbeitsergebnisse und das Zusammenwirken wiederum letztlich relativ fruchtlos, weil die empirische Grundlage dafür innerhalb der schriftlichen MfS- wie SED-Hinterlassenschaften einigermaßen dürftig ausfällt.

Drittens gibt es wenige Untersuchungen, die auf Bezirks- und Kreisebene der Zusammenarbeit von SED und Stasi nachgehen. Hier stellt sich das Problem, dass die meisten Autoren dieses Verhältnis allein auf der Grundlage der Stasi-Berichte an die SED-Bezirksleitung untersuchen. Sie könne zwar Erhellendes zum Berichtswesen beitragen, dem eigentlichen Zweck und den Folgen dieser Berichte aber nicht auf die Spur kommen.

Viertens gibt es zahlreiche Studien, in denen anhand von thematischen Fallbeispielen wie zum Beispiel Ausreisebegehren das Zusammenwirken von SED, MfS und anderen analysiert wird.

Fünftens schließlich gibt es einige wenige Institutionenanalysen, zum Beispiel einzelner Betriebe, in denen auch das MfS abgehandelt wird. Aber überwiegend geschieht dies additiv, ganz selten integrativ und noch seltener in Zusammenschau mit der SED.

Die Projekte könnten auf verschiedenen Ebenen ansetzen. In Fallstudien könnten das Zusammenwirken von SED und MfS systematisch analysiert werden:

  • auf der Ebene SED-Führung und MfS-Zentrale;
  • anhand eines ausgewählten Bezirks (SED-Bezirksleitung, BV);
  • anhand eines oder zweier ausgewählter Kreise (Kreisdienststelle, SED-Kreisleitung);
  • anhand eines Großbetriebes, eines mittleren Betriebes, einer LPG, einer Hochschule/Universität, anhand der Armee sowie in einem Ministerium oder einem Rat des Bezirks. Denkbar ist auch, diesen Bereich von einem zentralen Ministerium "durchzudeklinieren" über ein Kombinat bis in die untere Betriebsebene.

Die genaue Entscheidung wird sich anhand der Forschungskonzeptionen und in der Diskussion mit der Forschungsgruppe herauskristallisieren und ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Von den Bewerber/innen wird eine Projektskizze erwartet, die mindestens folgende Punkte umfasst:

  1. Forschungsstand
  2. beabsichtigtes methodisches Vorgehen und Verhältnis zu vorliegenden historischen Forschungen
  3. empirische Grundlage; welche Quellen außerhalb der MfS-Bestände würden einbezogen werden?
  4. Welche konkreten Forschungsfelder in welchem Untersuchungszeitraum sollen bearbeitet werden?
  5. forschungsleitende Fragestellungen und Hypothesen
  6. Ihre möglichen eigenen Vorarbeiten
  7. Zeitplan

Auf Literaturangaben wird verzichtet. Die wichtigsten enthält die laufend ergänzte Bibliographie der Bibliothek des BStU.

Projektbearbeitung

Dr. Andrea Bahr
E-Mail: andrea.bahr@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Widerstand im Alltag – Alltag des Widerstandes

Das Projektziel besteht darin, die Geschichte von politischer Gegnerschaft, Widerstand und Opposition in seiner historischen Breite beispielhaft an einer bislang in der Forschung unterrepräsentierten Region darzustellen. Gesucht wurde ein abgrenzbares, überschaubares und zugleich doch in sich differenziertes Untersuchungsgebiet: Die Wahl fiel dabei auf die nordostdeutsche Ostseeküste bzw. den Bezirk Rostock und somit auf eine Region, die in vielen Fragen Durchschnittswerte aufweist, in der Forschung – vor allem im Vergleich zu den Zentren Berlin, Leipzig, Jena, Dresden oder Erfurt – jedoch zu den weniger berücksichtigten Untersuchungsgebieten zählt.

Das Projekt wird bestimmt durch folgende Fragen: Welche Formen der Verweigerung und des Aufbegehrens, welche widerständigen Verhaltensweisen und bislang unbekannten Widerstandshandlungen gab es entlang der Ostseeküste und im 1952 gebildeten Bezirk Rostock von 1949–1989? Welchen Einfluss auf widerständige Verhaltens- und oppositionelle Argumentationsmuster besaßen staatliche Reaktionen und gesellschaftliche Entwicklungsprozesse (womit sowohl die biographische wie gesellschaftliche Ebene angesprochen sind)? Waren Opposition und Widerstand als politische Handlungen gesellschaftliche Randphänomene? Zugleich geht es darum, danach zu fragen, wie der Alltag jener Menschen aussah, die sich dem System entgegenstellten: Welche Interaktionen lassen sich zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft, sofern sich dies anhand der vorliegenden Quellen erschließen lässt, belegen?

Das Forschungsvorhaben soll einen wichtigen, empirisch fundierten Beitrag zur Debatte um die Widerstands- und Oppositionsgeschichte und zu den vorhandenen Deutungen und Kategorisierungen leisten.

Neben der Erschließung und Auswertung bislang weitgehend unberücksichtiger Aktenbestände der ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung Rostock werden erstmalig Daten anderer Informationsspeicher wie der verschiedenen Delikte-Kerblochkarteisysteme systematisch hinzugezogen und ausgewertet.

Das Projekt beschäftigt sich somit auch mit der methodischen Frage, welche Bedeutung den verschiedenen MfS-Quellen in der Widerstandsforschung grundsätzlichen zukommen kann und wie sich die unterschiedlichen hier enthaltenen Informationen konkret systematisieren und erschließen lassen.

Projektleiter:
Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk (beurlaubt)
E-Mail: GZ.BF@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

  • Dr. Christian Halbrock
  • Dr. Hanna Labrenz-Weiß
  • Rosemarie Müller
  • Arno Polzin
  • Gudrun Weber

Denunziation – Alltag und Verrat in der DDR

Unmittelbar nach dem Fall der Mauer standen vor allem die Machenschaften der Stasi und die scheinbar flächendeckende Unterwanderung der Bevölkerung durch die inoffiziellen Mitarbeiter (IM) im Fokus des Interesses. Wer eine Verpflichtungserklärung für die inoffizielle Mitarbeit beim Ministerium für Staatssicherheit unterschrieben hatte, schien einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein.

Allerdings, so wird beim Auswerten der Akten schnell klar, ist IM nicht gleich IM. Akten mit wenigen Blättern, in denen ausschließlich eine Verpflichtungserklärung liegt, aber nicht ein einziger Bericht, stehen neben vielbändigen Konvoluten mit Zeugnissen einer Auslieferung von Familie oder Freundeskreis an die Staatsmacht. Darüber hinaus gab es durchaus andere Zuträger, die bei einer Fixierung auf inoffizielle Mitarbeiter gar nicht erfasst werden.

Dieses Forschungsprojekt fragt nach konkreten denunziatorischen Handlungen.

Der Begriff der "Denunziation" ist bislang in der Geschichtswissenschaft nicht ausreichend für die DDR-Geschichte definiert worden. Das Projekt will diese Lücke schließen und nach einer konkreten Anwendung der Begrifflichkeit in Bezug auf die DDR-Gesellschaft fragen. In der NS-Forschung werden "Denunziationen" nur als "freiwillige, spontane" Zuträgerschaften erfasst; die Definition müsste aber für die DDR-Zeit erweitert werden.

Denunziationen konnten nicht nur beim Ministerium für Staatssicherheit erfolgen, sondern zum Beispiel auch bei der Volkspolizei, der SED, den Massenorganisationen oder im Betrieb. Das Projekt wird die Systembedingungen für Denunziation untersuchen und darstellen, inwieweit der Staat Denunziation unterstützte, förderte oder gar zu deren Professionalisierung beitrug. Es wird dabei zwischen spontanen Denunziationen und solchen nach Auftrag unterschieden. Bisher gilt die Annahme in der Forschung, dass es - beispielsweise im Vergleich zum Nationalsozialismus - in der DDR weitaus weniger spontane Denunziationen gegeben hätte. Dieses Projekt wird die verschiedenen Arten der Zuträgerschaft analysieren.

Zudem werden die Erscheinungsformen von Denunziationen in der DDR untersucht. Zunächst interessiert die Frage, wer wen warum denunziert. Die Denunziation wird hier als soziales Phänomen betrachtet. In diesem Zusammenhang interessiert es zum Beispiel, in welchem Verhältnis der Denunziant zum Denunzierten stand. Erfolgte der Verrat im Kollegen- oder Bekanntenkreis, in der Familie oder handelte es sich um eine zufällige Begegnung zum Beispiel in der Kneipe oder der Straßenbahn? Welche Bedeutung hat dies für die Bewertung der Denunziation in der Gesellschaft? Wie sind infolge des Beziehungsverhältnisses die Motive von Denunzianten einzuordnen und gab es Besonderheiten in Bildung oder sozialer Prägung? Wandelte sich die Bereitschaft zum Denunzieren im Laufe der DDR-Zeit? Wie sind gesellschaftliche Verpflichtungen und Normen diesbezüglich zu bewerten? War zum Beispiel das Gebot der Wachsamkeit laut SED-Parteistatut höher zu bewerten als die individuelle Bewertung denunziatorischer Handlungen? Wog die Anzeigepflicht für bestimmte Straftaten schwerer als die moralische Erwartung an Verschwiegenheit?

Zusätzlich wird zu prüfen sein, wie sich Ablehnung von Denunziation darstellt. Klar ist, dass es immer wieder Menschen gegeben hat, die sich weigerten, mit der Staatsmacht zu "kooperieren". Aber in welchem Verhältnis stehen sie in Bezug auf die Zuträger? Welche Äußerungen gab es diesbezüglich, welche Verweigerungsstrategien wählten die Menschen?

Die Bezirke Leipzig, Frankfurt/Oder und Schwerin wurden als Untersuchungsschwerpunkte ausgewählt. In diesen Bezirken finden sich unterschiedliche regionale Besonderheiten, die sich zusammengenommen auf die gesamte DDR übertragen lassen: Ostgrenze, Westgrenze, ländliche/industrielle Prägungen, Groß- und Kleinstädte. Anhand von Stichproben in verschiedenen Jahrgängen archivierter Akten wird die Veränderung von Denunziation im Laufe der DDR-Zeit untersucht.

Das Denunziationsprojekt wird versuchen, Formen von Anpassung und Mitwirkung neu zu bewerten, um damit neue Perspektiven für eine Gesellschaftsgeschichte der DDR zu eröffnen.

Projektausführender

Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk
E-Mail: GZ.BF@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Herrschaft und Gesellschaft in der DDR-Provinz

In diesem Forschungsprojekt werden die regionalen Strukturen von Herrschaft und Gesellschaft am Beispiel des Landkreises Halberstadt untersucht. Der Zeitrahmen erstreckt sich auf die Jahre von 1949 bis 1990. Die Reduktion des Forschungsgegenstandes auf einen überschaubaren sozialen Raum soll eine umfassende Rekonstruktion historischer Wirklichkeit in ihrer Langzeitentwicklung ermöglichen. So kann das Zusammenspiel ökonomischer, gesellschaftlicher, politischer und kultureller Faktoren rekonstruiert werden.

Die zu erforschende Region mit ihren rund 100.000 Einwohnern ist hinsichtlich ihrer Wirtschafts- und Sozialstruktur sowie unter kulturellen und politischen Gesichtspunkten als unspektakulär und "durchschnittlich" anzusehen: Der Kreis war kleinstädtisch-ländlich geprägt. Dennoch verfügte er auch über zwei größere und etliche mittlere Industriebetriebe sowie über eine fast 50 Kilometer lange Westgrenze und hatte damit jene Probleme, die mit dem DDR-Grenzregime verbunden waren. Im Vergleich zu großstädtisch geprägten Kreisen weist Halberstadt ein eher bescheidenes Niveau politisch abweichenden Verhaltens auf, wodurch – im Unterschied zur bisherigen Stasi-Forschung – verstärkt soziales und politisches Anpassungsverhalten in den Blick gerät.

Das Projekt betrachtet Herrschaft vorrangig als "soziale Praxis", als gesellschaftliches Beziehungsgeflecht, in dem auch die Beherrschten als Akteure erkennbar sind. Es soll nachvollzogen werden, wie SED-Herrschaft im Alltag funktionierte, welche Disziplinierungs- und Integrationsmechanismen griffen bzw. scheiterten und auf welche Formen von Zustimmung, Anpassung oder Widersetzlichkeit sie trafen. Besondere Aufmerksamkeit widmet das Projekt der lokalen Staatssicherheit als einem zentralen Element des DDR-Herrschaftssystems. Des Weiteren werden alle anderen wichtigen Herrschaftsinstitutionen (SED, VP, Rat des Kreises, Massenorganisationen, Blockparteien und andere) mit in die Betrachtung einbezogen.

Methodisch an das Halberstadt-Projekt angebunden ist ein Kooperationsprojekt mit der Universität Jena, das sich unter dem Titel "Bühne der Dissidenz und Dramaturgie der Repression" am Beispiel der Bezirkshauptstadt Gera mit kulturellen Konflikten in der späten DDR befasst.

Projektleiter

Dr. Roger Engelmann
E-Mail: Roger.Engelmann@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Projekbearbeitung Halberstadt

  • Dr. Roger Engelmann

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

  • Dr. Tobias Wunschik
  • Doris Gorsler

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsprojekts erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Engelmann, Roger: Eine Regionalstudie zu Herrschaft und Alltag im Staatssozialismus. In: Gieseke, Jens (Hg.): Staatssicherheit und Gesellschaft. Studien zum Herrschaftsalltag in der DDR. Göttingen 2007, S. 167–186.
  • Arp, Agnès; Braun, Matthias; van Laak, Jeannette: "Bühne der Dissidenz und Dramaturgie der Repression". Ein Kulturkonflikt in den achtziger Jahren in der Provinz der DDR – eine Projektskizze. In: Gieseke, Jens (Hg.): Staatssicherheit und Gesellschaft. Studien zum Herrschaftsalltag in der DDR. Göttingen 2007, S. 347–364.
  • Münkel, Daniela: Staatssicherheit in der Region. Die geheimen Berichte der MfS-Kreisdienststelle Halberstadt an die SED. In: Deutschland Archiv 43(2010)1, S. 31–38.

Volkswirtschaft und Umwelt als Wirkungsbereiche des MfS in der Ära Honecker

Dieser wissenschaftliche Projektbereich des BStU gliedert sich in zwei eng verbundene Einzelprojekte, die als Dissertationsvorhaben durchgeführt werden. Forschungsgegenstand in beiden Projekten ist das sogenannte "Chemiedreieck" im Bezirk Halle mit den Kombinaten Bitterfeld, Buna und Leuna, die angesichts ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung von eigenen Objektdienststellen des MfS überwacht wurden.

Projektleiter

Dr. Roger Engelmann
E-Mail: Roger.Engelmann@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Projekt Umweltprobleme und Umweltkonflikte als Aufgabenbereich des MfS am Beispiel der DDR-Großchemie

Das "Chemiedreieck" ist auch für DDR-Verhältnisse im Hinblick auf die Umweltproblematik ein eher extremes Beispiel. Es zeichnete sich durch eine hochindustrialisierte Struktur, eine hohe Besiedlungsdichte und eine überdurchschnittlich starke Umweltbelastung aus. Daraus ergab sich eine brisante und konfliktträchtige Situation, die in den Achtzigerjahren zunehmend ins Visier der Staatssicherheit rückte.
Das Projekt untersucht die vielfältigen Umweltprobleme des "Chemiedreiecks", ihre Ursachen und Wirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Natur sowie die daraus resultierenden Konflikte. Betrachtet werden neben dem vollkommen überforderten und zunehmend nachrangig behandelten staatlichen Umweltschutz auch nichtstaatliche Initiativen, die in den Achtzigerjahren in Erscheinung treten. Neben staatlich geduldeten und gesteuerten Aktivitäten im Rahmen der "Gesellschaft für Natur und Umwelt" sollen dabei vor allem unter dem Dach der Kirche agierende Umweltschutzinitiativen untersucht werden, die sich in den stark belasteten Gebieten des Bezirkes herausbildeten oder die Situation im Chemiedreieck thematisierten und deshalb von der Staatssicherheit als "staatsfeindlich" bekämpft wurden.

Bearbeiter

Martin Stief
E-Mail: Martin.Stief@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

MfS und MGB/KGB im sowjetischen Block 1950-1989: Strukturen, Inhalt, und Grenzen ihrer Beziehungen

Die Politik der SED ist schwerlich zu begreifen, wenn man sie nicht im Zusammenhang mit jener der KPdSU analysiert. Auch die Interpretation der Aktivitäten der Staatssicherheit dürfte unvollständig, zuweilen sogar fehlerhaft sein, wenn sie nicht in den Kontext von Einfluss und Politik der "Freunde" eingeordnet wird.

Man muss dabei nicht so weit wie Erich Mielke gehen, der noch Anfang der 80er Jahre postulierte, der ihm unterstellte Apparat sei eine "Kampfabteilung der ruhmreichen sowjetischen Tscheka". Aber im Grunde genommen müsste man bei jeder Weichenstellung in Entwicklung und Aktivitäten der DDR-Staatssicherheit fragen, ob sie auf Initiative dieser "Freunde" zurückgeht. Oder – allgemeiner gesprochen – ob sie in einen größeren blockpolitischen Zusammenhang und das Kooperationsgeflecht der osteuropäischen Staatssicherheitsdienste eingebunden war.

Das Forschungsprojekt "MfS und MGB/KGB im sowjetischen Block 1950-1989: Strukturen, Inhalt und Grenzen ihrer Beziehungen" wird der Geschichte der Zusammenarbeit von MfS und MGB/KGB gewidmet sein. Diese Zusammenarbeit ist die zentrale Achse grenzüberschreitender Kooperation der DDR-Staatssicherheit und ein gravierendes Forschungsdesiderat.

Geplant ist zuerst ein Überblick über die Strukturen, den Inhalt und die Grenzen der Zusammenarbeit zwischen den beiden Staatssicherheitsdiensten. Dieser Überblick umfasst den Zeitraum von der Gründung des MfS unter aktiver Mitwirkung des sowjetischen Innenministeriums 1950 bis zur Auflösung des MfS 1989/90. Den Schwerpunkt wird die Zusammenarbeit auf der höchsten Ebene der beiden "Bruderorgane" bilden. Abkommen, Korrespondenz und Gesprächsprotokolle auf Ebene des Ministers bzw. seiner Stellvertreter und auf der Ebene der Hauptabteilungsleiter werden die maßgeblichen Quellen für das Vorhaben sein.

Die auf dieser Ebene vereinbarte Zusammenarbeit wird dann in Hinsicht auf die gemeinsamen Aktivitäten der Dienste erforscht, um einen Überblick über die Kooperation zwischen MfS und KGB zu geben. Beispielhaft werden die Auswirkungen dieser Kooperation auf Betroffene in der DDR, in der UdSSR und auch im Westen geschildert.

Die Zusammenarbeit der Staatssicherheitsdienste bei der Unterdrückung Oppositioneller und ihrer Unterstützer im Westen wird einen besonderen Schwerpunkt der Forschung bilden. Die meisten Akten der für Aufklärung zuständigen Hauptverwaltung A (HV A) des MfS wurden zerstört. Deshalb wird die hausinterne Recherche durch Archivrecherchen beim "Institut für Nationales Gedenken" (Instytut Pamięci Narodowej, IPN) in Warschau und dem Archiv der Sicherheitsdienste (Archiv bezpečnostních složek, ABS) in Prag ergänzt. IPN und ABS haben Protokolle von Gesprächen zwischen den befreundeten Aufklärungsorganen und entsprechende Telegramme des KGB an alle Bruderorgane, darunter das MfS, in ihren Beständen.

Das Forschungsvorhaben entspricht ähnlichen Projekten der "Schwesterbehörden" in dem vom BStU initiierten "Europäischen Netzwerk der Aufarbeitungsbehörden". Es gibt einschlägige Veröffentlichungen nicht nur durch das USTR und das UPN, sondern auch durch das IPN in Warschau. Das tschechische USTR hielt in Zusammenarbeit mit dem slowakischen UPN zwei Konferenzen zur Rolle des KGB in Osteuropa ab. Das USTR in Prag und COMDOS in Sofia veröffentlichten in letzter Zeit Dokumentationen zur Zusammenarbeit der Staatssicherheitsdienste der CSSR und Bulgariens mit dem KGB.

Unser in dieser Beziehung erster eigener Beitrag besteht in einer Dokumentenedition zur Zusammenarbeit von MfS und KGB, die 2012 auf der Website der Behörde veröffentlicht wurde. Auszüge in englischer Übersetzung finden sich auf der Website des "Cold War International History Project".

Die Erforschung der Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen MfS und KGB ist Voraussetzung für künftige Arbeiten über die Zusammenarbeit zwischen dem MfS und den ehemaligen Staatssicherheitsdiensten anderer Länder des Europäischen Netzwerks. Damit wird ein Fundament für die Aufarbeitung der geheimpolizeilichen Dimension der Geschichte des europäischen Kommunismus gelegt.

Projektleiter

Dr. Douglas Selvage
E-Mail: Douglas.Selvage@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  • Dr. Georg Herbstritt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • Dr. Ann-Kathrin Reichardt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Cornelia Jabs, Sachbearbeiterin
  • Matej Kotalík, M. A., Sachbearbeiter
  • Mieszko Jackowiak, M. A., Sachbearbeiter

Ausführlicher zu diesem Thema

MfS und MGB/KGB im sowjetischen Block 1950-1989: Strukturen, Inhalt, und Grenzen ihrer Beziehungen (PDF, 217 KB, Datei ist nicht barrierefrei ⁄ barrierearm)

Die Zusammenarbeit von MfS und KGB bei der Bekämpfung der "politisch-ideologischen Diversion" im Bereich der Kirchen und der Kultur in den 1970er und 1980er Jahren (PDF, 258 KB, Datei ist nicht barrierefrei ⁄ barrierearm)

Das MfS und der KSZE-Prozess. Der Kampf der osteuropäischen Geheimdienste gegen Modernisierung und Globalisierung (PDF, 131 KB, Datei ist nicht barrierefrei ⁄ barrierearm)

Das MfS und der KSZE-Prozess, 1977–1986. Der Kampf der DDR gegen die Menschenrechte in Zusammenarbeit mit und im Vergleich zu den anderen Warschauer Paktstaaten (PDF, 226 KB, Datei ist nicht barrierefrei ⁄ barrierearm)

Forschungsprojekt "Kooperation und Kontrolle. Zielvorgaben, Funktionsweisen und Alltagspraxis der MfS-Operativgruppen in der Geheimdienstkooperation des Ostblocks" (PDF, 124 KB, Datei ist nicht barrierefrei ⁄ barrierearm)

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Selvage, Douglas: (mit Nehring,Christopher): Die AIDS-Verschwörung. Das Ministerium für Staatssicherheit und die AIDS-Desinformationskampagne des KGB. BF Informiert 33, 2014.
  • Selvage, Douglas: ." In: Spiekerman, Uwe: The Stasi at Home and Abroad: Domestic Order and Foreign Intelligence. Bulletin of the German Historical Institute, Supplement 9 (2014), S. 115-138.
  • Selvage, Douglas: Operation Synonym. Soviet-Bloc Active Measures and the Helsinki Process, 1976-1983. In: Bułhak, Władysław und Wegener Friis, Thomas (Hg.): Need to Know. Eastern and Western Perspectives. Odense 2014, S. 81-96.
  • Selvage, Douglas: (1976-1983) [Operation "Synonym": die tschechoslowakische Staatssicherheitsdienst und die aktiven Maßnahmen des sowjetischen Blocks im KSZE-Prozess (1976-1983)]. In: Pamięc i sprawiedliwość 23:1 (2014).
  • Selvage, Douglas: "Human-Rights-Demagoguery Hostile to Détente”: The German Democratic Republic and the Conference on Security and Cooperation in Europe, 1975-89. In: Rasmus Mariager; Karl Molin; Kjersti Brathaten (Hg.), Human Rights in Europe during the Cold War, London and New York 2014.
  • Selvage, Douglas: The Superpowers and the Conference on Security and Cooperation in Europe, 1977-1983: Human Rights, Nuclear Weapons, and Western Europe. In: Matthias Peter und Hermann Wentker (Hg.): Die KSZE im Ost-West Konflikt: Internationale Politik und gesellschaftliche Transformation (1975-1990), München 2012.
  • Süß, Walter: Die Wiener KSZE-Folgekonferenz und der Handlungsspielraum des DDR-Sicherheitsapparates 1989. In: Matthias Peter und Hermann Wentker (Hg.): Die KSZE im Ost-West Konflikt: Internationale Politik und gesellschaftliche Transformation (1975-1990), München 2012.
  • Selvage, Douglas: Der Warschauer Pakt und die europäische Sicherheitskonferenz 1964-1969: Souveränität, Hegemonie und die Deutsche Frage. In: Diedrich, Thorsten; Süß, Walter (Hg.): Militär und Staatssicherheit im Sicherheitskonzept der Warschauer-Pakt-Staaten. Berlin 2010, S. 225-251.
  • Süß, Walter: Der KSZE-Prozess der 70er Jahre aus der Perspektive der DDR-Staatssicherheit. In: Diedrich, Thorsten; Süß, Walter (Hg.): Militär und Staatssicherheit im Sicherheitskonzept der Warschauer-Pakt-Staaten. Berlin 2010, S. 319-340.
  • Herbstritt, Georg: Menschenraub in Berlin. Die gemeinsamen Aktionen von Securitate und Stasi gegen die rumänische Emigration in den fünfziger Jahren, eine siebenbürgisch-sächsische Agentin als Schlüsselfigur und die unscharfen Erinnerungen des Securitate-Überläufers Ion Mihai Pacepa. In: Ebenda. 22(2009).
  • Herbstritt, Georg: Über Rumänien in die Freiheit? Fluchtversuche von DDR-Bürgern über Rumänien in den Westen. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 21(2009)2, S. 5-14.
  • Selvage, Douglas: Transforming the Soviet Sphere of Influence? U.S.-Soviet Détente and Eastern Europe, 1969-1976. In: Diplomatic History 33(2009)4, S. 671-687.
  • Süß, Walter: Wandlungen der MfS-Repressionstaktik seit Mitte der siebziger Jahre im Kontext der Beratungen der Ostblock-Geheimdienste zur Bekämpfung der "ideologischen Diversion". In: "Das Land ist still - noch!" Herrschaftswandel und Opposition in der Ära Honecker. Hg. von Leonore Ansorg, Bernd Gehrke, Thomas Klein und Danuta Kneipp. Köln, Weimar 2009, S. 111-134.
  • Herbstritt, Georg: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage. Eine analytische Studie. Göttingen 2007.
  • Herbstritt, Georg; Olaru, Stejarel: Stasi si securitatea [Stasi und Securitate]. Bukarest 2005.
  • Herbstritt, Georg; Müller-Enbergs, Helmut (Hg.): Das Gesicht dem Westen zu ... DDR-Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland. Bremen 2003.

"Die DDR im Blick der Stasi. Die geheimen Berichte an die SED-Führung"

1953 bis 1989 - Edition und Analyse

Die "Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe" (ZAIG) des Ministeriums für Staatssicherheit bzw. ihre Vorläufer haben seit dem Juni-Aufstand von 1953 Informationen für die Partei- und Staatsführung der DDR verfasst. Diese geheimen Berichte wurden mehr als 37 Jahre lang in unterschiedlichen Formen und Frequenzen angefertigt und sind eine Quelle von hohem Wert für die zeithistorische Forschung.

Sie offenbaren den spezifischen Blick der Stasi auf die DDR. Hinweise auf wirklich oder vermeintlich oppositionelles Verhalten werden dort ebenso genannt wie Probleme aus Wirtschaft und Versorgung sowie Statistiken zu Devisenumtausch, illegalen Ausreisen oder Grenzverletzungen. Scheinbar Triviales steht neben kleineren und größeren "Schwierigkeiten", die sich bei der Etablierung und Aufrechterhaltung der SED-Herrschaft und dem Aufbau des "real existierenden Sozialismus" ergaben.

Die Edition wird als hybride Publikation veröffentlicht: In Buchform als Auswahledition, der eine CD mit dem kompletten Jahrgang beigelegt ist - ab 2016 wird die CD durch einen Zugangscode ersetzt. Nach einem Jahr sind die jeweiligen Jahrgänge komplett online unter www.ddr-im-blick.de kostenlos zugänglich.

Projektleiterin

Prof. Dr. Daniela Münkel
E-Mail: Daniela.Muenkel@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  • Dr. Henrik Bispinck
  • Dr. Bernd Florath
  • Ronny Kietzmann
  • Petra Hein
  • Ina Herrmanowski
  • Mark Schiefer
  • Kristina Steinmetz
  • Martin Stief
  • Heike Thiel

Assoziiert

  • Dr. Georg Herbstritt
  • Dr. Tobias Wunschik

Edition: Die DDR im Blick der Stasi 1953-1989. Die geheimen Berichte an die SED-Führung, Hg. Daniela Münkel.

Bisher erschienen:

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsprojekts erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Münkel, Daniela (Hg.) / Bispinck, Henrik (Hg.): Dem Volk auf der Spur ... Staatliche Berichterstattung über Bevölkerungsstimmungen im Kommunismus. Deutschland – Osteuropa – China, Göttingen 2017.
  • Bispinck, Henrik: "Was ist denn nun überhaupt mit Stalin los?" Der XX. Parteitag der KPdSU und die Stimmung der Bevölkerung in der DDR. In: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung 2016, S. 253-266.
  • Bispinck, Henrik: Die Evangelische Kirche und die Ausreiseproblematik im KSZE-Prozess. Eine Tagung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs vom April 1977 im Blick des Ministeriums für Staatssicherheit. In: Zeitgeschichte regional 16(2012)2, S. 61-65.
  • Bispinck, Henrik: Kulturelite im Blick der Stasi. Die Nachwehen der Biermann-Ausbürgerung im Spiegel der ZAIG-Berichte. In: Deutschland Archiv 45(2012)2, S. 616-625 (Online unter: www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/146198/kulturelite-im-blick-der-stasi [22.11.2012]).
  • Engelmann, Roger; Münkel, Daniela: Der 17. Juni und die anhaltende Instabilität. Der Bezirk Karl-Marx-Stadt im Spiegel der Berichte der Staatssicherheit an die SED-Führung im Jahr 1953: Heitmann, Clemens (Hg.): Der 17. Juni 1953 in Sachsen. Ursachen, Ereignis, Wirkung und Rezeption. Berlin 2013, S. 82-105
  • Münkel, Daniela: Das Berichtswesen der Staatssicherheit 1953 bis 1989. In: Dies (Hg.): Staatssicherheit. Ein Lesebuch zur DDR-Geheimpolizei. Berlin 2015, S. 94-101.
  • Münkel, Daniela: CIA, BND und MfS und der Mauerbau, in: Klaus-Dietmar Henke (Hg.), Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung, München 2011, S. 67-83.
  • Münkel, Daniela: Nach dem Mauerbau. Bevölkerungsstimmung und besondere Vorkommnisse in den drei Nordbezirken. Dokumentation der Berichterstattung durch das Ministerium für Staatssicherheit. In: Zeitgeschichte regional 15(2011)1, S. 36-46.
  • Münkel, Daniela: Unruhe im eingeschlossenen Land. Ein interner Stasi-Bericht zur Lage in der DDR nach dem Mauerbau. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 59(2011)4, S. 579-588.
  • Münkel, Daniela: Der Mauerbau im Blick der Stasi. In: Frankfurter Rundschau vom 13. August 2010.
  • Münkel, Daniela: Staatssicherheit im "sozialistischen Frühling" 1960. Der Abschluss der Kollektivierung der Landwirtschaft im Spiegel der MfS-Berichte an die SED-Führung. In: Deutschlandarchiv 43(2010)3, S. 470-479.
  • Münkel, Daniela: Die DDR im Blick der Stasi 1989. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (2009)21-22, S. 26-32.

Abwehr, Spionage, Propaganda. Das MfS im deutsch-deutschen Systemkonflikt / Westarbeit

Der neue Forschungsschwerpunkt "Abwehr, Spionage, Propaganda. Das MfS im deutsch-deutschen Systemkonflikt" erweitert die bisherige unter dem MfS-Begriff "Westarbeit" firmierende Forschung in wesentlichen Punkten und auf Basis erstmals zugänglicher Quellen.

Auf Grundlage der vorliegenden Forschungen, die primär die normative Seite, Fragen der Organisation der DDR-Auslandspionage sowie das quantitative Ausmaß der IM-Tätigkeit von Bundesbürgern thematisiert haben, wird eine neue Schwerpunktsetzung verfolgt. Sie stellt stärker Fragen nach der Rolle des MfS in der Systemkonkurrenz zwischen Ost und West und der Interaktion der Geheimdienste. In den Mittelpunkt rücken aber auch die propagandistische Bedeutung und Instrumentalisierung des "Geheimdienstkrieges" im Kampf gegen den "äußeren Feind" und die innere Opposition sowie sozial- und gesellschaftsgeschichtliche Fragestellungen.

Es geht nicht nur darum, bestehende Forschungslücken zu schließen, sondern neue Akzente zu setzen und neue Ansätze zu verfolgen. Geografisch liegt der Schwerpunkt auf dem Agieren des MfS in der Bundesrepublik bzw. der bundesdeutschen Dienste in der DDR.

Das Projekt "MfS contra BND: Geheimdienstkonfrontation im Kalten Krieg 1950-1961" widmet sich seit 2013 der Konfrontation zwischen MfS und BND bzw. dessen Vorläufer, der Organisation Gehlen, in den 1950er-Jahren. Ziel des Projektes ist, die deutsch-deutsche Geheimdienstkonfrontation als gesellschaftsgeschichtliches Problemfeld des Kalten Krieges in die asymmetrisch verflochtene Parallelgeschichte der beiden deutschen Staaten einzubetten.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Abwehrstrategien und -mechanismen des MfS gegen die Aufklärung des bundesdeutschen Nachrichtendienstes in der DDR sowie die damit verbundene politische und propagandistische Instrumentalisierung.

Auf Grundlage der MfS- und BND-Überlieferungen entstand zunächst eine Publikation über die Aktion "Feuerwerk" im Herbst/Winter 1953, bei der DDR-weit mehr als 200 Personen von der Staatssicherheit festgenommen wurden. Bei dieser Studie handelt es sich um ein Kooperationsprojekt mit der "Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des BND". Diese Kooperation ermöglichte es erstmals, Dokumente der Staatssicherheit und des Bundesnachrichtendienstes abzugleichen. Eine weitere umfassende Monographie zur Spionageabwehr des MfS gegen den BND in den 1950er-Jahren steht kurz vor dem Abschluss.

Im Folgeprojekt "MfS contra BND: Geheimdienstkonfrontation in der deutsch-deutschen Annäherung 1961-1989" werden bis 2019 Spionageabwehr und Gegenspionage sowie Propagandastrategien des MfS gegen den BND zwischen Mauerbau und Mauerfall untersucht. Damit widmet sich das Anschlussvorhaben einem Zeitraum, der jenseits der Hochphase der Konfrontation zwischen MfS und BND eher im Spannungsfeld von Abschottung und Annäherung der beiden deutschen Staaten verortet ist.

Projektleiterin

Prof. Dr. Daniela Münkel
E-Mail: Daniela.Muenkel@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Elke Stadelmann-Wenz
E-Mail: Elke.Stadelmann-Wenz@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Auswahl von Veröffentlichungen aus den Forschungsfeldern "Das MfS im deutsch-deutschen System" und "Westarbeit"

  • Ronny Heidenreich, Daniela Münkel, Elke Stadelmann-Wenz: Geheimdienstkrieg in Deutschland. Die Konfrontation von DDR-Staatssicherheit und Organisation Gehlen 1953. Berlin 2016.
  • Georg Herbstritt; Elke Stadelmann-Wenz: Westarbeit. In: Daniela Münkel (Hg.): Staatssicherheit. Ein Lesebuch zur DDR-Geheimpolizei. Berlin 2015, S. 139-149.
  • Daniela Münkel: CIA, BND, MfS und der Mauerbau. In: Klaus-Dietmar Henke (Hg.): Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung. München 2011, S. 67-82.
  • Georg Herbstritt: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage. Eine analytische Studie. Göttingen 2007.
  • Georg Herbstritt; Helmut Müller-Enbergs (Hg.): Das Gesicht dem Westen zu … DDR-Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland. Bremen 2003.
  • Hubertus Knabe: West-Arbeit des MfS. Das Zusammenspiel von "Aufklärung" und "Abwehr". Berlin 1999.
  • Helmut Müller-Enbergs: Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Teil 2: Anleitungen für die Arbeit mit Agenten, Kundschaftern und Spionen in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin 1998.

Rechtsanwälte in der späten DDR

Inwieweit nahm das MfS auf die Rechtsanwälte in der DDR Einfluss und welchen Beitrag leistete es, eine "sozialistische Anwaltschaft" zu schmieden?

Mit dem Jahr 1968 kann die Ausgestaltung des Justizwesens der DDR als weitgehend abgeschlossen gelten. Auch die Institution der Anwaltschaft wurde inzwischen akzeptiert. Die Rechtsanwälte waren ganz überwiegend in genossenschaftsähnlichen Bezirkskollegien organisiert, übten ihre Mandate aber individuell aus.

Das MfS versuchte die Anwälte im Zusammenspiel mit dem offiziell zuständigen Justizministerium und der allgegenwärtigen Partei zu kontrollieren und zu steuern. Dies setzte bei der Studienzulassung ein und begleitete die Anwaltskarrieren von der Absolventenlenkung, der Anwaltszulassung über weitere anlassbezogene Überprüfungen.

Zu untersuchen ist, wie dicht diese Kontrollen waren und wie effektiv das MfS auf die nominelle Selbstverwaltung der Anwaltschaft und die Mandate überhaupt Einfluss nehmen wollte und konnte. Die überschaubare Gruppe der Anwälte eignet sich exemplarisch dafür, Mechanismen, Möglichkeiten und Grenzen solcher Einflussnahme nachzuzeichnen.

Im Bereich der politischen Justiz war das MfS nicht nur sicherndes Organ, sondern bei "staatssicherheitsgefährdenden" Delikten als Untersuchungsorgan auch für die Ermittlungen vor dem Strafprozess verantwortlich. Diese Untersuchungen sollten zu dem von MfS und SED angepeilten Abschluss gebracht werden, ohne dass dieses Ziel durch die Beschuldigten und deren Anwälte grundsätzlich gefährdet werden konnte.

Doch die DDR hatte auch zunehmend Rücksicht auf ihre internationale Einbindung zu nehmen. Dies führte zu einem Druck auf die strafprozessualen Standards. Offen ist freilich, ob parallel zu Veränderungen in der Justiz der DDR das Recht auf Verteidigung im politischen Prozess eine Liberalisierung, Scheinliberalisierung oder gar keine substanzielle Veränderung erfahren hat.

Es ist davon auszugehen, dass die strafprozessuale Stellung der Verteidigung und die Rolle des Verteidigers seismographisch auch Aufschluss über die Stellung des Individuums, hier des politisch Verfolgten, gegenüber dem Staat in der Honecker-Ära geben kann.

Gegenstand eines gesonderten Teiles der Untersuchung ist eine quantitative Auswertung der sogenannten Untersuchungsvorgänge des MfS. Sie enthalten nicht nur Unterlagen der Ermittlungsphase, sondern auch die der Staatsanwaltschaft, des Gerichtes und der Haft. Eine Auswertung von relevanten Stichproben beginnend mit dem Jahr 1984 soll Aufschluss darüber geben, inwieweit sich das strafprozessuale Geschehen, insbesondere das Recht auf Verteidigung im politischen Verfahren der DDR gewandelt hat.

Projektkoordinator

Dr. Christian Booß
E-Mail: Christian.Booss@bstu.bund.de
Telefonnummer Geschäftszimmer BF 1: (030) 23 24-88 11

Schlaglichter bisheriger Forschungstätigkeit

Das Verhältnis von SED und MfS

Das Verhältnis zwischen der Staatspartei SED und dem MfS bildete für die Abteilung Bildung und Forschung von Anfang an ein wichtiges Thema. Diese Frage wurde nicht nur in Einzelstudien erforscht, sondern sie stellt ein "Generalthema" dar, das auch in den anderen Forschungsschwerpunkten behandelt wird. Denn die Frage der politischen Anleitung, Initiative und Rückkopplung geheimdienstlicher Operationen im Parteistaat berührt alle Tätigkeitsfelder des MfS. An der "führenden Rolle" der SED und der Unterordnung des MfS als "Schild und Schwert" dieser Partei bestehen, nicht zuletzt aufgrund dieser Studien, heute keine Zweifel mehr.

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Schumann, Silke: Parteierziehung in der Geheimpolizei. Zur Rolle der SED im MfS der fünfziger Jahre. Berlin 1997.
  • Suckut, Siegfried; Süß, Walter (Hg.): Staatspartei und Staatssicherheit. Zum Verhältnis von SED und MfS. Berlin 1997.

Entmachtung und Verfall des MfS

Ein mehrjähriges Forschungsprojekt war dem Thema "Entmachtung und Verfall des Staatssicherheitsdienstes im Zentrum und in den Regionen im Jahr 1989" gewidmet. Die Abteilung Bildung und Forschung kooperierte hierbei mit mehreren Mitarbeitern aus einzelnen Außenstellen der Behörde. Dabei konnte gezeigt werden, wie sich das Verhältnis von SED und MfS in einer fundamentalen politischen Krise entwickelt hat und wie es zu erklären ist, dass der Machtapparat seine Existenz nicht gewaltsam zu retten versuchte. Dieses Projekt wurde Ende der 90er Jahre weitgehend abgeschlossen, wird aber punktuell weitergeführt, beispielsweise im Zusammenhang mit dem 15. Jahrestag der Entmachtung der Staatssicherheit (2004/05); aus diesem Anlass wurde eine ausführliche Dokumentation erarbeitet, die auf der Website des Bundesbeauftragten einzusehen ist.

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Höffer, Volker: Der Gegner hat Kraft. MfS und SED im Bezirk Rostock. (BF informiert; 20), Berlin 1997.
  • Hollitzer, Tobias: "Wir leben jedenfalls von Montag zu Montag". Zur Auflösung der Staatssicherheit in Leipzig. Erste Erkenntnisse und Schlußfolgerungen. (Analysen und Berichte, Reihe B; 1999,1), Berlin 1999.
  • Löhn, Hans-Peter: Unsere Nerven lagen allmählich blank. MfS und SED im Bezirk Halle. (BF informiert; 13), 2. Aufl., Berlin 1996.
  • Süß, Walter: Selbstblockierung der Macht. Wachstum und Lähmung der Staatssicherheit in den siebziger und achtziger Jahren. In: Jarausch, Konrad; Sabrow, Martin (Hg.): Weg in den Untergang. Der innere Zerfall der DDR. Göttingen 1999, S. 239–257.
  • Süß, Walter: Staatssicherheit am Ende. Warum es den Mächtigen nicht gelang, 1989 eine Revolution zu verhindern. 1. u. 2. Aufl., Berlin 1999.

Das MfS und die Justiz in der DDR

Charakteristisch für die SED-Diktatur war die enge Verbindung von politischer Strafjustiz und geheimpolizeilicher Tätigkeit. Das Ministerium für Staatssicherheit war laut DDR-Strafprozessordnung offizielles "Untersuchungsorgan", also strafrechtliche Ermittlungsbehörde mit allen entsprechenden Befugnissen. Sein Zuständigkeitsbereich umfasste alle politischen und sonstigen sicherheitsrelevanten Strafsachen. Während die theoretisch vorhandenen strafverfahrensrechtlichen Kontrollbefugnisse der Justiz gegenüber dem MfS in der Praxis kaum Wirksamkeit entfalteten, kontrollierte die Staatssicherheit umgekehrt die für politische Verfahren zuständigen Gerichtssenate und Abteilungen der Staatsanwaltschaft mithilfe ihres Kaderbestätigungsrechtes und überwachte diese – wie im Übrigen auch die Rechtsanwaltschaft – mit ihren "spezifischen Mitteln". Die Beschäftigung mit diesem System der "Staatssicherheitsjustiz", das von allgemeinen und zuweilen auch sehr konkreten SED-Vorgaben gesteuert wurde, bildete 1996 bis 1999 in der Forschungstätigkeit der Abteilung BF einen Schwerpunkt.

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Engelmann, Roger; Vollnhals, Clemens (Hg.): Justiz im Dienste der Parteiherrschaft. Rechtspraxis und Staatssicherheit in der DDR. Berlin 1999.
  • Fricke, Karl Wilhelm; Engelmann, Roger: "Konzentrierte Schläge". Staatssicherheitsaktionen und politische Prozesse in der DDR 1953–1956. Berlin 1998.
  • Joestel, Frank (Hg.): Strafrechtliche Verfolgung politischer Gegner durch die Staatssicherheit im Jahre 1988. Der letzte Jahresbericht der MfS-Hauptabteilung Untersuchung. Berlin 2003. (Dokumente, Reihe A; 2003/1)
  • Vollnhals, Clemens: Der Fall Havemann: Ein Lehrstück politischer Justiz. Berlin 1998.

Opposition und Widerstand in der DDR

Die Forschungsarbeiten umfassen ein breites Themenspektrum. Neben den zäsurbildenden Schlaglichtern der DDR-Geschichte wie 1953, 1956, 1961, 1968 oder 1989 beschäftigen sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unter anderem mit den "Wahlen" in der DDR und den Einflussversuchen des MfS, mit dem Armeegefängnis in Schwedt, Behauptungsversuchen "bürgerlicher" Wissenschaftler, der strukturellen Entwicklungsgeschichte des MfS sowohl auf zentraler wie Bezirks- und Kreisebene, der Biographie von Ernst Wollweber oder der Überwachung des Telefonverkehrs zwischen Ostberliner Oppositionellen und Westberliner Unterstützern.

Im Zentrum der Forschungen steht aber das Projekt "Opposition und Widerstand im Ostseebezirk Rostock, 1949–1989". Darin wird untersucht, wie sich Opposition und Widerstand im Laufe der Jahre wandelten, wie der Staat darauf reagierte und welche Interaktionen es zwischen Oppositionellen und widerständigen Handlungen und der Gesellschaft gab. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob Opposition und Widerstand tatsächlich, wie oft behauptet wird, gesellschaftlich marginalisiert waren, oder ob Opposition und Widerstand nicht doch stärker in der Mitte der Gesellschaft wurzelten.

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Auerbach, Thomas; Neubert, Ehrhart: "Es kann anders werden": Opposition und Widerstand in Thüringen 1945–1989. Köln, Weimar, Wien 2005.
  • Eisenfeld, Bernd; Neubert, Ehrhart (Hg.): Macht – Ohnmacht – Gegenmacht. Grundfragen zur politischen Gegnerschaft in der DDR. Bremen 2001.
  • Eisenfeld, Bernd; Kowalczuk, Ilko-Sascha; Neubert, Ehrhart: Die verdrängte Revolution. Der Platz des 17. Juni 1953 in der deutschen Geschichte. Bremen 2004.
  • Fricke, Karl Wilhelm; Engelmann, Roger: Der "Tag X" und die Staatssicherheit. 17. Juni 1953 – Reaktionen und Konsequenzen im DDR-Machtapparat. Bremen 2003.
  • Halbrock, Christian: Mielkes Revier. Stadtraum und Alltag rund um die MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. 2. Aufl., Berlin 2011.
  • Halbrock, Christian: Stasi-Stadt – die MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg. Ein historischer Rundgang um das ehemalige Hauptquartier des DDR-Staatssicherheitsdienstes. 2. Aufl., Berlin 2011.
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha (Hg.): Freiheit und Öffentlichkeit. Politischer Samisdat in der DDR 1985 bis 1989. Berlin 2002.
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha: 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR. Ursachen – Abläufe – Folgen. Bremen 2003.
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha: Das bewegte Jahrzehnt. Geschichte der DDR von 1949 bis 1961. Bonn 2003.
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha; Engelmann, Roger (Hg.): Volkserhebung gegen den SED-Staat. Eine Bestandsaufnahme zum 17. Juni 1953. Göttingen 2005.
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha; Diedrich, Torsten (Hg.): Staatsgründung auf Raten? Zu den Auswirkungen des Volksaufstandes 1953 und des Mauerbaus 1961 auf Staat, Militär und Gesellschaft der DDR. Berlin 2005.
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha; Sello, Tom (Hg.): „Für ein freies Land mit freien Menschen.“ Opposition und Widerstand in Biographien und Fotos. Berlin 2006.
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha: Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR. 2., durchges. Aufl., München 2009.
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha: Die 101 wichtigsten Fragen – DDR. München 2009.
  • Polzin, Arno: Der Wandel Robert Havemanns vom Inoffiziellen Mitarbeiter zum Dissidenten im Spiegel der MfS-Akten. 2. überarb. Aufl., Berlin 2006.
  • Polzin, Arno; Theuer, Werner; Florath, Bernd: Aktenlandschaft Havemann: Nachlass und Archivbestände zu Robert Havemann in der Robert-Havemann-Gesellschaft und bei der BStU. Berlin 2008.

Das MfS im Bereich von Volkswirtschaft und Wissenschaft

Die "Sicherung" der DDR-Volkswirtschaft bildete von Anfang an eine originäre Schwerpunktaufgabe des MfS. Noch vor dessen Gründung wurde im Ministerium des Innern die von Erich Mielke geleitete "Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft" gegründet.

Diesem Gewicht entsprechend, sind im Rahmen des Handbuchprojekts der Abteilung BF drei themenspezifische Arbeiten erschienen: ein grundlegender struktureller und personaler Überblick zur Rolle des MfS in der Volkswirtschaft, eine Arbeit über das Verortungsprinzip des MfS in Schwerpunktbereichen der Volkswirtschaft anhand der Objektdienststellen sowie eine Darstellung der Arbeitsgruppe BKK, die den wohl interessantesten Sicherungsbereich des MfS überhaupt, den Bereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo) von Alexander Schalck-Golodkowski, zu kontrollieren hatte.

Für die Volkswirtschaft – und damit letztlich auch für das MfS – besaßen Wissenschaft, Technik und Hochtechnologie hohe Priorität. Im Mittelpunkt der einschlägigen BF-Studien standen bislang normative und empirische Daten zur "Kadersicherung" durch das MfS sowie die systematische geheimpolizeiliche Durchdringung des gesamten Wissenschaftsbereichs der DDR. Wie sehr der SED und dem MfS jede aufkeimende ideologiefreie Wissenschaftsauffassung ein Dorn im Auge war, wird eine kurz vor dem Abschluss stehende Studie zeigen, die das Schicksal einer 300 Mitglieder und Kandidaten umfassenden, straff organisierten und international kommunizierenden Jugendgruppe darstellt. Eine begonnene Studie zur bedrängten Existenz des zunächst noch dominierenden bürgerlichen Wissenschaftsverständnisses in der DDR wird zeigen, mit welcher Konsequenz und Effizienz das MfS als Ideologiepolizei die sozialistische Wissenschaftspolitik der SED zu unterstützen vermochte. Das Projekt berührt auch Aspekte des Forschungsschwerpunkts "Opposition und Widerstand", da viele Wissenschaftler, sofern sie nicht auswanderten oder flüchteten, nicht bereit waren, sich der ideologischen Bevormundung zu beugen. Zwei weitere bearbeitete volkswirtschaftliche Themenkomplexe besitzen einen Bezug zum Forschungsschwerpunkt "Westarbeit": die Beschaffung von Hochtechnologiegütern für die mikroelektronische Industrie sowie die Mobilisierung von Bargeldkrediten zur Abwehr der Zahlungsunfähigkeit der DDR (Stichwort "KoKo").

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Haendcke-Hoppe-Arndt, Maria: Die Hauptabteilung XVIII: Volkswirtschaft. Berlin 1997. (MfS-Handbuch).
  • Buthmann, Reinhard: Die Objektdienststellen des MfS. Berlin 1999. (MfS-Handbuch).
  • Buthmann, Reinhard: Die Arbeitsgruppe Bereich Kommerzielle Koordinierung. 2. Aufl., Berlin 2004. (MfS-Handbuch).
  • Buthmann, Reinhard: Kadersicherung im Kombinat VEB Carl Zeiss Jena. Die Staatssicherheit und das Scheitern des Mikroelektronikprogramms. Berlin 1997.
  • Buthmann, Reinhard: Hochtechnologien und Staatssicherheit. Die strukturelle Verankerung des MfS in Wissenschaft und Forschung der DDR. 2. Aufl., Berlin 2000.

Zusammenarbeit des MfS mit den Sicherheits­diensten des Ostblocks zur Verhinderung von Opposition und Flucht

Nicht nur an der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze wurden Menschen gewaltsam daran gehindert, die DDR zu verlassen, auch die Westgrenzen der anderen Ostblockstaaten stellten nahezu unüberwindliche Barrieren dar. Das Zusammenwirken des MfS mit anderen Sicherheitsdiensten der Staaten des Warschauer Paktes bei der Verhinderung von Fluchten aus der DDR von DDR-Bürgern ist Gegenstand von Forschungen im Rahmen mehrerer Studien zur Kooperation dieser politischen Polizeiapparate.

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungen besteht in der Analyse der Vorgehensweise des MfS bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Verbindungen zwischen Oppositionellen der DDR und anderen Ostblockstaaten sowie der Unterbindung und Unterwanderung ihrer Unterstützung aus dem westlichen Ausland.

Studien zum Grenzregime in der DDR befassen sich mit dem Versuch des MfS, Todesfälle und Folgen der Gewaltanwendung zu verschleiern, die bei Fluchtversuchen verletzten Personen zu diskriminieren und zu isolieren.

Abgeschlossen wurden die Arbeiten am Handbuchbeitrag zur Hauptabteilung VIII. Er analysiert Struktur und Wirkungsweise der für Beobachtung, Ermittlung, Durchsuchung und Festnahmen zuständigen MfS-Abteilung, ihre personelle Zusammensetzung und Aktivität innerhalb der DDR und der Bundesrepublik. Der Beitrag belegt die arbeitsteilige Vorgehensweise des MfS ebenso wie das hohe Maß an Kooperation zwischen den verschiedenen MfS-Abteilungen und den anderen staatlichen Instanzen der DDR.

Diese Verflechtung betrifft nicht nur die Arbeit des MfS in der DDR, sondern auch in der Bundesrepublik, die keineswegs ausschließlich von Mitarbeitern der HV A umgesetzt wurde. Neben der faktisch nicht an Gesetze gebundenen Arbeitsweise in der DDR belegt das Handbuchkapitel zugleich die hohe Aggressivität und die Missachtung der Souveränität und der rechtsstaatlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik.

Der Zusammenarbeit der Staatssicherheit (StB) der ČSSR und des MfS widmeten sich Forschungen zur Geschichte der Opposition in der DDR. Fortgesetzt wurden Forschungen zur DDR-Oppositionsgeschichte, ihrer Vernetzung mit Oppositionellen in der ČSSR, Rumänien und Ungarn sowie der Bekämpfung dieser Vernetzung durch das MfS. In einer Einzelstudie zum literarischen Austausch zwischen ungarischen und DDR-Oppostionellen in den 80er Jahren wird die wechselseitige Anregung ebenso untersucht wie deren Beobachtung und Behinderung durch die Staatssicherheitsdienste Ungarns und der DDR.

Eine weitere Untersuchung befasst sich mit verdeckten Operationen gegen die Unterstützung osteuropäischer Oppositioneller durch unabhängige Organisationen der Bundesrepublik im gleichen Zeitraum. Hierzu wurden erste Arbeitsergebnisse auf einem Panel des Historikertages in Berlin 2010 vorgelegt.

Durch den Projektbereich konnte erfolgreich die Fertigstellung einer externen Studie zur Abteilung „Verkehr“ des ZK der SED unterstützt werden. In der Studie gelang es dem Autor Wilhelm Mensing mithilfe der z. T. parallelen bzw. ergänzenden Überlieferung in der BStU, Struktur und Arbeitsweise dieser ZK-Abteilung zu rekonstruieren.

Veröffentlichungen, die im Rahmen des Forschungsschwerpunktes erarbeitet wurden (Auswahl)

  • Auerbach, Thomas: Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front. Terror- und Sabotagevorbereitungen des MfS gegen die Bundesrepublik Deutschland. Berlin 1999.
  • Florath, Bernd; Theuer, Werner: Robert Havemann: Biographie, Lebensdaten, Dokumente. Berlin 2007.
  • Florath, Bernd: In den Fängen fremder Erinnerung. In: europäische ideen, 2010, Sonderheft Robert Havemann 100, S. 8–12.
  • Florath, Bernd: Zum Subjektwechsel politischer Gegnerschaft in der DDR in den fünfziger Jahren. In: Odboj a Odpor proti komunistickému režimu v československu a ve střední Evropĕ [Opposition und Widerstand gegen das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei und in Mitteleuropa]. Prag 2010, S. 27–40.
  • Herbstritt, Georg; Müller-Enbergs, Helmut (Hg.): Das Gesicht dem Westen zu ... DDR-Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland. Bremen 2003.
  • Herbstritt, Georg: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage. Eine analytische Studie. Göttingen 2007.
  • Herbstritt, Georg; Olaru, Stejarel: Stasi si securitatea [Stasi und Securitate]. Bukarest 2005.
  • Herbstritt, Georg: Über Rumänien in die Freiheit? Fluchtversuche von DDR-Bürgern über Rumänien in den Westen. In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik, 21(2009)2, S. 5–14.
  • Herbstritt, Georg: Menschenraub in Berlin. Die gemeinsamen Aktionen von Securitate und Stasi gegen die rumänische Emigration in den fünfziger Jahren, eine siebenbürgisch-sächsische Agentin als Schlüsselfigur und die unscharfen Erinnerungen des Securitate-Überläufers Ion Mihai Pacepa. In: Ebenda. 22(2009).
  • Jabs, Cornelia; Müller-Enbergs, Helmut: Der 2. Juni 1967 und die Staatssicherheit. In: Deutschland Archiv, 42(2009)3, S. 395–400.
  • Mensing, Wilhelm: SED-Hilfe für West-Genossen. Die Arbeit der Abteilung Verkehr beim Zentralkomitee der SED im Spiegel der Überlieferung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (1946–1976). Berlin 2011.
  • Schmole, Angela: Die Hauptabteilung VIII des MfS. Beobachtung, Ermittlung, Durchsuchung, Festnahme. Berlin 2011. (MfS-Handbuch)
  • Bernd Florath (Hg.): Das Revolutionsjahr 1989 – Die demokratische Revolution in Osteuropa als transnationale Zäsur (Analysen und Dokumente – Wissenschaftliche Reihe des Bundesbeauftragten, Band 34). Göttingen 2011.