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Das Bild zeigt einen Wissenschaftler, wie er ein Reagenzglas, gefüllt mit kleinen Hakenkreuzen, an einen amerikanischen Soldaten übergibt.

Die AIDS-Verschwörung

Anfang der 1980er-Jahre verbreitete sich AIDS auf der Welt. Stasi und KGB streuten das Gerücht, die Krankheit sei als biologischer Kampfstoff in US-Militärlabors entwickelt worden.

Bis heute hält sich die hartnäckige Verschwörungstheorie, dass AIDS ursprünglich in den USA als biologischer Kampfstoff entwickelt wurde. Spätestens seitdem in den frühen 1990er-Jahren ehemalige KGB- und Stasi-Offiziere diese Theorie als Teil einer groß angelegten Desinformationskampagne des Ostblocks enttarnten, ist sie jedoch widerlegt.

  AIDS (zu Deutsch: erworbenes Immundefektsyndrom) wurde erstmals Ende 1981 als eigenständige Krankheit erkannt. Infolge der Infektion mit dem HI-Virus wird das menschliche Immunsystem nach und nach zerstört. Wissenschaftler fanden heraus, dass das Virus in nichtmenschlichen Primaten in Afrika erstmals auftrat, auf den Menschen übertragen und dann über die ganze Welt verbreitet wurde.

Trotz dieser Erkenntnisse hält sich bis heute hartnäckig die Theorie, der HI-Virus stamme aus einem Militärforschungslabor des US-Verteidigungsministeriums in Fort Detrick. Großen Anteil an der Verbreitung dieses Gerüchtes hat der ehemalige sowjetische Geheimdienst KGB sowie der ostdeutsche Auslandsgeheimdienst HV A. Dies weist eine neue Studie der Historiker Dr. Douglas Selvage und Christopher Nehring nach. Auf der Grundlage neuer Funde in den Archiven der bulgarischen Staatssicherheitsdienste und des BStU konnten die Autoren nachvollziehen, dass die "AIDS-Verschwörung" auf die Geheimdienste der Staaten des Warschauer Paktes zurückgeht.

Vortrag des Autors Dr. Douglas Selvage über die AIDS-Verschwörung von MfS und KGB

Im Rahmen einer groß angelegten Desinformationskampagne startete der KGB 1985 die Verbreitung der Fort-Detrick-These. Das Ziel der Aktion bestand darin, die USA international in Verruf zu bringen und Bewegungen gegen amerikanische Militärstützpunkte ins Leben zu rufen. Dabei konnten sich die sowjetischen Geheimdienstoffiziere auf bestehende Theorien in den USA stützen. Die Stasi trug ihren Teil dazu bei, indem sie eine "wissenschaftliche Studie" des ostdeutschen Forscherehepaars Segal unterstützte. Sie verteidigte ihre Schützlinge gegen alle Angriffe und verhalf ihnen im Objektvorgang "Denver" zur Verbreitung ihrer Theorien im westlichen Ausland.

Es entstand ein Zyklus von Falschinformationen der bis weit über das Ende des Kalten Krieges hinaus andauerte. So kam es dazu, dass Segals "Forschungsergebnisse" in Zeitungen und Dokumentarfilmen in der BRD und vielen weiteren westlichen Ländern thematisiert und verbreitet wurden und bis heute am Leben erhalten werden. Die Stasi stellte "Denver" auch dann nicht ein, als der KGB seine Aktion 1989 aufgrund einer stark veränderten weltpolitischen Lage gestoppt hatte.

1992 bestätigten der Chef der russischen Aufklärung Yewgeni Primakov und die HV A-Offiziere Günther Bohnsack und Herbert Brehmer die Existenz der Desinformationskampagne. Die Gerüchte in Europa wurden indes weiterhin am Leben gehalten. Die Segals inszenierten sich als "AIDS-Dissidenten" und ihre Theorien wurden weiterhin in Literatur, Film und sogar Rap-Gesang propagiert. Links- und Rechtsextremisten machen immer weiter Gebrauch von der Fort-Detrick-These bei der Propagierung ihrer Politik und ihrer Weltanschauungen.

Selvage und Nehring weisen in ihrer Studie nach, dass Segal wusste, dass seine Forschungen für Propagandazwecke genutzt wurden. Darüber hinaus erläutern die Historiker, dass das MfS über ein Netz von Inoffiziellen Mitarbeitern zur Verbreitung der Verschwörungstheorie beitrug. Presse- und Massenmedien im Westen dienten mehrmals unwissentlich als Multiplikatoren der KGB-These.

Dr. Douglas Selvage, Projektleiter

Projektleiter

Dr. Douglas Selvage

BStU, Abteilung Bildung und Forschung

Telefon: 030 2324-8811
Fax: 030 2324-8809
E-Mail: Douglas.Selvage@bstu.bund.de

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Publikation

Die AIDS-Verschwörung

Mit dem Auftauchen des für AIDS verantwortlichen HI-Virus Anfang der 1980er Jahre begannen Forschungen, aber auch Spekulationen um dessen Herkunft. 1992 gab der Leiter der russischen Auslandsspionage zu, dass der sowjetische Geheimdienst hinter einer internationalen Desinformationskampagne zum Thema AIDS gestanden habe. Das Virus, so lautete eine zentrale Behauptung darin, stamme aus einem US-amerikanischen Forschungslabor und sei dort als Geheimwaffe entwickelt worden.