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Bittbrief an Honecker zur Ausrichtung eines Grillfestes

Die Stasi in Schleswig-Hostein: Bad Segeberg

In Bad Segeberg war die Stasi 1984 aktiv, im Rahmen eines devisenträchtigen Wohnungsbauprojekts, das die DDR in Schleswig-Holstein umsetzte. Die Stasi konzipierte die Überwachung der Baumaßnahmen, setzte Inoffizielle Mitarbeiter (IM) unter den Bautrupps ein, um Fluchtversuche frühzeitig zu entdecken und sammelte Informationen aus dem Ort.

"Bauleistungsexport" in Bad Segeberg

Um westliche Devisen für den Staatshaushalt zu erwirtschaften, exportierte die DDR in den 80er Jahre auch Bauleistungen. In Bad Segeberg entstand daher "An der Trave 77 – 83" ab dem Frühjahr 1984 ein schlüsselfertiger Wohnblock. Das Modell "WBS 70 – Typ Halle" wurde vom volkeigenen Betrieb (VEB) Wohnungsbaukombinat (WBK) Halle errichtet. Westdeutscher Partner für den Bau von 48 Wohnungen war eine Firma in Wahlstedt in der Nähe von Bad Segeberg. Im Vorfeld des Baubeginns entwarf die Stasi, hier die Abteilung XVIII (Absicherung der Volkswirtschaft) in der Bezirksverwaltung (BV) Halle im September 1983 eine "Konzeption" zur Überwachung der zukünftigen Baustelle. Sie kontrollierte im Verlauf die Auswahl der DDR Bauarbeiter ("Reisekader") und überwachte den grenzüberschreitenden Transport der Baumaterialien über Inoffizielle Mitarbeiter (IM).

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Weil den Bauarbeitern ein Kontakt zu den Bad Segebergern strikt untersagt war, bat eine Bürgerin der Stadt an höchster Stelle um eine Erlaubnis für eine gemeinsame Grillparty. Sie schrieb einen Brief an Erich Honecker, der sich in den Stasi-Unterlagen zur Baustelle befindet.

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Der Inoffizielle Mitarbeiter Sicherheit (IMS) "Karsten Wolf" lieferte der Stasi Informationen über Vorgänge auf der Baustelle und über das Verhalten von Bauarbeitern. Im Januar 1985 wird er zum Ende der Bauarbeiten unter Tarnung eingeschleust. Sein umfangreicher handschriftlicher Bericht erwähnt zum Beispiel zwei Bad Segeberger Polizisten, die auf Grund einer Anzeige der Handelskammer auf der Baustelle vorstellig wurden.

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Im März 1986, nach Abschluss der Bauarbeiten, leitete die Hauptabteilung">HA XVIII, die in der Zentrale in Berlin ansässige Hauptabteilung zur Überwachung der Volkswirtschaft, ein Ersuchen ein. Im Nachgang zu den Bauarbeiten wollte die Stasi bestimmte Örtlichkeiten zuordnen können, die sie nur aus Beschreibungen von unbekannter Quelle kannte. Warum es ihr wichtig war, diese Orte noch mal aufzuklären, ist nicht nachvollziehbar.

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