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Helmut Schmidt und Erich Honecker beim Staatsbesuch des Bundeskanzlers in der DDR

Helmut Schmidt in Güstrow

Vom 11. bis 13. Dezember 1981 besuchte Helmut Schmidt offiziell die DDR. Es war nach Erfurt und Kassel das dritte deutsch-deutsche Gipfeltreffen. Der Besuch des Bundeskanzlers war mehrfach verschoben worden und kam nach einigem geheim-diplomatischen Hin und Her im Dezember 1981 schließlich doch zustande.

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Durch Volkspolizisten der DDR abgesperrte Straßen während des Besuchs von Bundeskanzler Helmut Schmidt in Güstrow.

Das Treffen fand in einer problematischen Phase der innerdeutschen Beziehungen statt: Am 9. Oktober 1980 überraschte das DDR-Finanzministerium die Bundesregierung mit einer Verfügung, welche den Mindestumtausch für Bundesbürger bei Besuchen in der DDR von 13 auf 25 DM pro Tag erhöhte. Nur wenig später kam es zu den sogenannten "Geraer Forderungen" von Erich Honecker. Diese beinhalteten u.a. die Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft durch Bonn und die Schließung der Zentralen Erfassungsstelle in Salzgitter für Straftaten von Behörden und Organen der DDR. Sie waren damit für die Bundesrepublik unannehmbar.

Im Vorfeld seines DDR-Besuchs hatte Schmidt Honecker wissen lassen, dass die "Geraer Forderungen" bei dem geplanten Treffen nicht verhandelbar seien. Dennoch waren die Erwartungen an den Besuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt in der DDR hoch – wie die Staatssicherheit berichtete. Vor und während des Gipfeltreffens war die Geheimpolizei im Ausnahmezustand. Das Trauma des Besuchs von Willy Brandt 1970 in Erfurt saß tief, die "Willy, Willy"-Rufe des ostdeutschen Publikums hallten noch manchem Stasioffizier in den Ohren. Sie durften sich auf keinen Fall wiederholen.

Die ersten Tage des Treffens zwischen Schmidt und Honecker fanden in der Abgeschiedenheit des Honeckerschen Gästehauses am Werbellinsee statt. Für den letzten Tag stand ein Abstecher nach Güstrow auf dem Programm – die eigentliche Herausforderung für die Staatssicherheit. Die Stadt wurde in ein Potemkinsches Dorf verwandelt, die Einwohnerinnen und Einwohner in ihre Häuser verbannt und durch Stasi-Mitarbeiter und Volkspolizisten "ersetzt". Insgesamt waren 19.000 Stasi-Mitarbeiter und 18.000 Polizisten im Einsatz.

Helmut Schmidt traf auf keine "normalen" DDR-Bürgerinnen und -Bürger. Obwohl die Ergebnisse der Gespräche kaum ins Gewicht fielen, war es für die Machthaber in Ost-Berlin allein schon ein großer Erfolg, dass das Treffen überhaupt und reibungslos stattgefunden hatte. Am Ende hatte der deutsch-deutsche Besuch sogar die Nachricht von der Verhängung des Kriegsrechtes gegen die freie Gewerkschaft Solidarność durch die polnischen Kommunisten ohne diplomatischen Eklat überstanden. Die Stasi hatte ein "zweites Erfurt" verhindert und konnte den Besuch Helmut Schmidts für sich als gelungene Operation verbuchen.

Vor, während und nach dem Besuch Helmut Schmidts in Güstrow berichtete das MfS an die engere Staats- und Parteiführung der DDR mehrfach und ausführlich. Zur Sprache kamen dabei die Erwartungen an den Besuch, die Lage und Stimmung vor Ort sowie zu erwartende Probleme. Im Folgenden sind einige dieser Berichte aus der Edition der Reihe "Die geheimen Berichte der Staatssicherheit an die SED-Führung – das Jahr 1981" zu lesen.

Weitere Informationen

Publikation

Die DDR im Blick der Stasi 1981

Die geheimen Berichte an die SED-Führung

1981: Während die SED-Führung unbeirrt an ihrer politischen Linie festhält, vollziehen sich in den Augen der Stasi bedrohliche Entwicklungen im Nachbarland Polen ebenso wie unter dem Dach der evangelischen Kirche.