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Außenansicht des Palasts der Republik 1981

Palast unter Stasi-Schutz

Am 23. April 1976 fand die feierliche Eröffnung des Palasts der Republik statt. Nach 32 Monaten Bauzeit öffnete der Vorzeigebau des Arbeiter- und Bauernstaates seine Tore im Zentrum Ost-Berlins. Die Stasi war von Anfang in das Projekt involviert, überwachte die Bauarbeiten und blieb auch nach der Eröffnung des Prestigebaus geheimpolizeilich aktiv.

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Mit der Errichtung des Palasts der Republik startete die SED-Führung 1973 ein Großprojekt. Unter der Leitung Heinz Graffunders, eines der prominentesten Architektinnen und Architekten der DDR, entstand ein Vorzeigebau in der historischen Mitte Berlins. Er galt als architektonischer Ausdruck der Moderne und besaß enormen repräsentativen Charakter.

Der Bau des Palasts folgte einem straffen Zeitplan. Ende März 1973 beschloss das Politbüro des Zentralkomitees der SED seine Errichtung. Im Mai 1976 sollte bereits der erste Parteitag in dem neuen Gebäude stattfinden. Der Plan ging auf: Im November 1974 war der Rohbau fertiggestellt, die SED-Führung feierte das Richtfest mit entsprechendem propagandistischen Aufwand. Knapp anderthalb Jahre später – nach weniger als drei Jahren Bauzeit – war der Palast der Republik am ehemaligen Standort des 1950 gesprengten Stadtschlosses fertiggestellt.

 

„Dieser Palast soll ein Haus des Volkes werden. Er soll dienen als Stätte wichtiger Kongresse, als ein Ort verantwortungsbewußter Beratungen der höchsten Volksvertretung unseres Arbeiter- und Bauern-Staates und als Forum internationaler Begegnung. Unsere sozialistische Kultur wird in diesem Palast ebenso eine Heimat finden wie der Frohsinn und die Geselligkeit unserer werktätigen Menschen.“

Erich Honecker
Rede des Ersten Sekretärs des ZK der SED anlässlich der Grundsteinlegung für den Palast der Republik am 2. November 1973

Überwachung der Bauarbeiten

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) nahm das Gebäude mit dem Volkskammersaal der DDR, aber auch zahlreichen Freizeitangeboten besonders intensiv in den Blick – und das bereits während seiner Errichtung. Die Stasi legte für die Bauzeit einen eigenen Sondervorgang mit dem Titel "Metropole" an. Darin sicherte sie zu, dass das Prunkstück störungsfrei gebaut werden konnte und versprach lückenlose Überwachung der Bauarbeiten sowie der Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter. Besonders sorgte sich das MfS darum, dass die offene Baustelle Möglichkeiten bot, westliche Spionagetechnik einzubauen. Aus diesem Grund führte das MfS-Wachregiment "Feliks E. Dzierżyński" regelmäßig Kontrollgänge durch.

Im Rahmen ihrer Überwachungsmaßnahmen fertigte die Hauptabteilung Personenschutz, die unter anderem für die Objektsicherheit zuständig war, Fotos von der Baustelle an. Mithilfe dieser Aufnahmen dokumentierte die Stasi die Baufortschritte und behielt jederzeit den Überblick.

Parlamentsgebäude mit Abhörtechnik

Eine nächste Herausforderung für die Staatssicherheit nach Fertigstellung des Gebäudes war das Grundkonzept des Architekten – den Palast in der Tradition der "sozialdemokratischen Volkshäuser" zu errichten. Volk und Staat sollten unter einem Dach aktiv sein. Staatsempfänge, Parteitage und Plenarsitzungen fanden im Gebäude statt, während gleichzeitig mehrere Gaststätten, Bars, Diskotheken, eine Bowlingbahn und ein Theater für das allgemeine Publikum geöffnet waren. Um all diese Aktivitäten jederzeit kontrollieren zu können, verkabelte und verwanzte die Stasi den Palast. Die Kommandozentrale des MfS befand sich im gegenüberliegenden Marstall. Im Palast selbst richtete die Stasi zwei operative Abhörräume ein, in denen sie bei politischen Veranstaltungen und Volkskammertagungen mithörte. Außerdem überprüfte das MfS jede Person, die sich um eine Anstellung bewarb – ob als Putzkraft, Küchenhilfe, Programmdirektorin oder Programmdirektor des Theaters.

Palast-Areal im Blick der Stasi

Auch die Überwachung des Geländes rund um den Palast der Republik, wo ein starker Personen-, Touristinnen- und Touristenverkehr herrschte, musste die Stasi sicherstellen. Zum Einsatz kamen dabei das Wachregiment des MfS "Feliks E. Dzierżyński", die Volkspolizei sowie hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi in Zivil. Die Geheimpolizei bereitete die Überwachung des Areals in detaillierten Anweisungsplänen vor.

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Außerdem fertigte sie Fotodokumentationen des Palast-Areals an. Mithilfe dieses Aufklärungsmaterials bereiteten sich die Beobachtungsposten der Stasi auf die Observationen vor, um die Palast-Besucherinnen und -Besucher jederzeit im Blick behalten zu können.

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Neben den Beobachtungsposten vor und den Mikrofonen im Palast installierte die Stasi auch Kameras im Eingangsbereich des Gebäudes.

Asbestbelastung und Abriss des Palasts der Republik

Nachdem im Oktober 1972 beinahe ein Großbrand am Alexanderplatz ausgebrochen wäre, erhielten die Verantwortlichen für den Bau die Anweisung, den als Brandschutz genutzten Spritzasbest dicker als notwendig auf die tragenden Teile aufzutragen. Die Asbestbelastung des Palastes und die notwendige Sanierung führten 1990, nach Auflösung der ersten und letzten frei gewählten Volkskammer, zur Schließung. Nach einem Bundestagsbeschluss von 2003 wurde das Bauwerk von 2006 an über zwei Jahre lang bis Ende 2008 abgerissen.