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MfS-Lexikon

Hauptabteilung XVIII (Volkswirtschaft/HA XVIII)

Synonym: HA XVIII

Nach dem Vorbild der "Verwaltung für Wirtschaft" in der sowjetischen Hauptverwaltung für Staatssicherheit erhielt das am 08.02.1950 gebildete MfS eine Einrichtung, die zunächst unter der Bezeichnung Abteilung III (Volkswirtschaft) bzw. Hauptabteilung III (Volkswirtschaft) agierte. Vorläufer war die von Erich Mielke geleitete Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft im MdI.

Die Kernaufgaben bestanden in der Sabotageabwehr, im Schutz des Volkseigentums und in der Überwachung der Betriebe. Für die SAG Wismut wurde 1951 eine separate Struktureinheit, die Objektverwaltung "W" gegründet. 1955 wurde die systematische Überprüfung von Leitungskadern (später Sicherheitsüberprüfungen), 1957 der Aufbau des Informantennetzes, die Zusammenarbeit mit staatlichen Leitern und Parteisekretären, der Aufbau von Operativgruppen und Objektdienststellen sowie die Gewinnung von IM für Schlüsselpositionen in wirtschaftsleitenden Organen, Betrieben und Institutionen etabliert.

Mit der Auflösung der Abteilung VI (Forschung, Verteidigungsindustrie) erhielt die Hauptabteilung III (Volkswirtschaft) den Auftrag zur Sicherung volkswirtschaftlicher Maßnahmen auf dem Gebiet der Landesverteidigung. 1964 erfolgte im Zusammenhang mit den Reformen in der DDR-Volkswirtschaft die Umbenennung der HA III in HA XVIII. Die neue Struktur basierte auf dem Produktionsprinzip, das zunächst auf die führenden Wirtschaftszweige Bau und Industrie fokussiert war. Andere Wirtschaftsobjekte wurden nach dem Territorialprinzip von den Kreisdienststellen (KD) bearbeitet. Der HA XVIII in der Zentrale entsprachen gemäß dem Linienprinzip auf der Bezirksebene die Abt. XVIII der Bezirksverwaltung (BV).

Sicherungsschwerpunkte waren vor allem Außenhandel, Wissenschaft und Technik sowie die Verteidigungsindustrie. Mit der Richtlinie 1/82 wurde der Akzent auf die Gewährleistung der inneren Stabilität verschoben. Strukturelle Auswirkungen hatte insbesondere die Hochtechnologie Mikroelektronik. 1983 wurde die für den Bereich KoKo zuständige Arbeitsgruppe Bereich Kommerzielle Koordinierung (AG BKK) aus der für den Außenhandel zuständigen Abt. 7 der HA XVIII herausgelöst.

Zuletzt wies die Organisationsstruktur 6 Arbeitsbereiche und 62 Referate auf. Sie diente vor allem der Aufklärung gegnerischer Geheimdienste ("Arbeit im und nach dem Operationsgebiet"), der inneren Abwehrarbeit in den Betrieben und Institutionen, der Gewährleistung der inneren Stabilität, der Wahrung von Sicherheit, Ordnung und Geheimnisschutz sowie der Unterstützung der Wirtschaft durch "effektivitäts- und leistungsfördernde Maßnahmen".

Leiter der HA XVIII waren Reinhold Knoppe (1950-1953), Artur Hofmann (1953-1957), Herbert Weidauer (1957-1963), Rudi Mittig (1964-1974) und Alfred Kleine (1974-1989). Der hauptamtliche Mitarbeiterbestand stieg 1954-1989 von 93 auf 646; auf der gesamten Linie XVIII waren es zuletzt 1.623. 1989 arbeiteten für die Linie XVIII ca. 11.000 inoffizielle Mitarbeiter (IM).

Reinhard Buthmann