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MfS-Lexikon

Operativgruppe (OG)

Synonym: OG

1. Das MfS unterhielt ständige Niederlassungen in der Sowjetunion (seit 1951), Bulgarien (1961), Ungarn (1964), ČSSR (1965), Polen (1980) sowie in einigen Entwicklungsländern, die als OG bezeichnet wurden. In den osteuropäischen Ländern umfasste eine OG zuletzt 8 bis 14 MfS-Offiziere (in Polen: 20, in der Sowjetunion einschließlich der dort an die OG angeschlossenen Linien I und XVIII ca. 35), die auf mehrere Städte verteilt waren und bis zu 40 IM (in Polen: 150, sowie zahlreiche Kontaktpersonen, in der Sowjetunion einschließlich der Linien I und XVIII ca. 400) führten, bei denen es sich zumeist um DDR-Bürger handelte, die längerfristig in dem Land lebten.

Die OG war an den jeweiligen Landesgeheimdienst angebunden und kooperierte mit diesem. Eine OG setzte sich aus Mitarbeitern mehrerer MfS-Diensteinheiten zusammen (insb. HA VI, HA II, ZKG); die an den Botschaften tätigen HV A-Mitarbeiter agierten weitgehend unabhängig davon. Die Aufgabe der OG bestand darin, DDR-Bürger im Ausland zu überwachen und Fluchtversuche in den Westen zu verhindern, in der Spionageabwehr, in Entwicklungsländern auch im Schutz von DDR-Bürgern sowie in der Beratung und Unterstützung der örtlichen Sicherheitsdienste. In der ČSSR ab 1968 und Polen ab 1980 waren sie an der Unterdrückung der Opposition beteiligt.

Viele Geheimdienste sozialistischer Länder unterhielten ihrerseits bis 1989/90 eine OG in der DDR. Die OG bildete nur eines von mehreren Elementen geheimdienstlicher Kooperation (kommunistische Geheimdienste).

2. Bezeichnung für Struktureinheiten auf den unteren Ebenen der MfS-Diensteinheiten, zumeist mit einer eng begrenzten oder befristeten Aufgabe. Eine OG konnte aber auch zu einer Abteilung aufgebaut werden. So entstand aus einer

1976 bis 1980 tätigen OG der HA XX ab 1981 die HA XX/9, die Dissidenten und Oppositionelle verfolgte.

Georg Herbstritt