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Pressemitteilung

"Feind ist, wer anders denkt" in Koblenz

Wanderausstellung des BStU über die Staatssicherheit der DDR

Die Wanderausstellung "Feind ist, wer anders denkt" erreicht am 22. Mai in Koblenz ihre 43. Station. Die Ausstellung dokumentiert Entstehung, Aufgaben und Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Sie erläutert, wie das MfS durch Überwachung, Bespitzelung und Unterdrückung die Macht der Staatspartei SED sicherte. Im Vordergrund steht dabei das Schicksal der Menschen, die ins Visier der Staatssicherheit gerieten – in Ost und West.

Zwei Sondertafeln zeigen Geschichten aus Koblenz, die in den Stasi-Unterlagen dokumentiert sind: Beispielsweise Informationen zu einer Koblenzer Reisegruppe in der DDR und zu einer geheimen Atombunkeranlage. Zwei weitere Module erinnern an die Friedliche Revolution vor 25 Jahren.

Eröffnung:

  • 22. Mai 2014, 19.00 Uhr Pater Martin Königstein sscc, Teamleitung Citykirche Koblenz
    Josef Hehl, Leiter Kultur- und Schulverwaltungsamt Stadt Koblenz
    Dr. Helge Heidemeyer, Leiter Abteilung Forschung und Bildung (BStU)

Ort:

  • Citykirche Koblenz Jesuitenplatz 4, 56068 Koblenz

Öffnungszeiten:

  • 22. Mai bis 4. Juni 2014
    montags bis samstags von 09.00 bis 18.30 Uhr
    sonntags von 10.00 bis 18.30 Uhr

Begleitprogramm:

  • 22. Mai, 14.30 bis 17.30 Uhr, Görres-Gymnasium
    Lehrerfortbildung: "DDR und Stasi als Thema im Schulunterricht",
    Dr. Hans-Peter Löhn, BStU
    30. Mai 2014, 19.00 Uhr, Citykirche
    Vortrag: "Wie die Staatssicherheit der DDR die Bürger überwachte",
    Harald Both, BStU

Der Eintritt ist frei.

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin

Hintergrundinformationen zum Raum Koblenz

Zahlen zur Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagen-Behörde (1991 bis April 2014)
Anträge gesamt aus Koblenz: 1.699
- darunter persönliche Akteneinsicht/Kopienherausgabe: 714
Anträge gesamt aus Rheinland-Pfalz: 24.125
- darunter persönliche Akteneinsicht/Kopienherausgabe: 17.020

Koblenz und seine Bürger im Visier der Stasi

Auch Koblenz und seine Bewohner gerieten ins Visier der Stasi. Zwei Tafeln der Ausstellung mit Auszügen aus den Stasi-Unterlagen zeigen die vielfältigen Aktivitäten der Stasi im Raum Koblenz. Zum Beispiel waren wichtige Bundeseinrichtungen wie das Bundesarchiv Koblenz und der Regierungsbunker Marienthal im Ahrtal für die Stasi Ausspähungsziele. In den 80er Jahren berichtete ein Mitarbeiter des DDR-Staatsarchives, der als sogenannter Reisekader offizielle Verbindungen zum Bundesarchiv unterhielt, unter dem Decknamen "Zentrum" über den Archivdirektor des Bundesarchivs, seinen beruflichen Werdegang, seine politischen Ansichten und sein Auftreten. Der langjährige Spion Lorenz Betzing, Deckname "Schaller", begann 1966, die Auslandsspionage der Stasi (HV A) mit wertvollen Informationen über den Regierungsbunker "Marienthal" zu beliefern. Die Stasi konnte so eine umfassende Dokumentation der geheimen Tunnelanlage erstellen. Betzings Spionage-Karriere endete erst 1985, nach diversen anderen Stationen, mit seiner Flucht in die Sowjetunion.
Eine Reisegruppe der Volkshochschule Koblenz Untermosel stand im Frühjahr 1989 bei ihrem Besuch der DDR-Bezirke Erfurt, Dresden und Leipzig unter dauernder Stasi-Beobachtung. Mit der Aktion "Moos 1/89" ließ sie die Reisenden von Spitzeln beobachten. So finden sich Äußerungen zum "heruntergewirtschafteten Zustand" der DDR-Städte und zu kaputten Fahrzeugen an der Autobahn in den Stasi-Akten.
Als während der Reise einer DDR-Besuchsgruppe nach Köln und Trier einem jungen Mann aus Bautzen im Oktober 1988 bei einem Zugstopp im Hauptbahnhof Koblenz die Flucht gelang, wurde der Vorgang von der Stasi untersucht. Sie analysierte, dass die Flucht nur gelingen konnte, weil sich "das freizügige Angebot an individueller Freizeitgestaltung" negativ auf die Kontrollmöglichkeiten über die Jugendlichen auswirken würde.

Kontakt zur Pressestelle

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin

Pressesprecherin

Dagmar Hovestädt

Telefon: 030 2324-7170