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Pressemitteilung

Übergabe des 11. Tätigkeitsberichts an den Bundestag

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat heute dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert, den 11. Tätigkeitsbericht der Stasi-Unterlagen-Behörde übergeben. Es ist der erste Tätigkeitsbericht seiner Amtszeit, die am 15. März 2011 begann. Zur Übergabe stellte Jahn fest:

"Das Interesse an der Beschäftigung mit der Diktatur ist lebendig. Eine neue Generation stellt frische Fragen: Wie hat die Diktatur in der DDR im Konkreten funktioniert? Warum haben unsere Eltern mitgemacht oder sich angepasst? Welche Lehren stecken in dieser Vergangenheit für mich heute? Es geht darum, Aufklärung zu schaffen. Dabei sind die Dienstleistungen der Behörde nach wie vor in hohem Maße gefragt."

Im Jahr 2011 gingen 80.611 und im Jahr 2012 88.231 Anträge auf persönliche Akteneinsicht ein. Zwei Drittel dieser Anträge wurden in den 12 Außenstellen der Stasi-Unterlagen-Behörde gestellt. 10 Prozent aller Erstanträge von 2012 gingen nach § 15 des Stasi-Unterlagen-Gesetzes (StUG) ein, der den Zugang für nahe Angehörige vermisster oder verstorbener Personen regelt.

"Die leicht steigenden Zahlen von Anträgen der Familienangehörigen zeigen auch, dass das Wirken der Stasi sich über Generationen erstreckt. Dabei wird wieder einmal deutlich: Bei unserer Arbeit geht es nicht allein um Akten, sondern um Menschen und ihre Schicksale."

Zu den Dienstleistungen der Behörde gehört es auch, die Akten nicht nur den Betroffenen, sondern auch der Gesellschaft insgesamt zur Verfügung zu stellen. Besonders Medien und Forschung nutzen diese Möglichkeit – große Aufmerksamkeit erfuhren beispielsweise die Veröffentlichungen zur Häftlingsarbeit in DDR-Gefängnissen für Westfirmen, viele Publikationen zum 50. Jahrestag des Mauerbaus, aber auch Spielfilme wie "Es ist nicht vorbei" über die Spätfolgen einer Stasi-Haft mit sechs Millionen Zuschauern.

Im Berichtszeitraum hat das Archiv des BStU weitere 2.200 laufende Meter Schriftgut der von der Stasi ungeordnet hinterlassenen Papiere sowie 215.000 Fotos und 1.100 Tonaufzeichnungen erschließen können; einige Teilbestände konnten komplett abgeschlossen werden. Insgesamt sind jetzt von den 111.000 laufenden Metern Schriftgut 103.800 zugänglich, 93 % des Bestands.

Über 90 Findmittel mit ca. 50.000 Datensätzen im PDF-Format auf der Homepage der Behörde ermöglichen eine Recherche im Bestand. Eine Kooperation mit dem Bundesarchiv wurde auf den Weg gebracht, damit demnächst eine Recherche der BStU-Findmittel via bundesarchiv.de und deren Datenbank-Software möglich ist.

Für die gesetzliche Aufgabe der Unterrichtung der Öffentlichkeit über das Wirken der Stasi merkte Jahn an:

"Es geht darum, das Wirken der Geheimpolizei in der SED-Diktatur differenziert zu betrachten und dabei den Auftraggeber, die SED, nicht aus den Augen zu verlieren."

Mit dem neuen Forschungsprojekt "Denunziation in der DDR" sei ein wichtiger Schritt für eine differenziertere Betrachtung beispielsweise der Tätigkeit inoffizieller Mitarbeiter (IM) getan.

"IM ist nicht gleich IM. Es geht darum zu beschreiben, warum jemand Verrat begangen hat, in welcher Form und unter welchen Umständen und wer der eigentliche Auftraggeber für die Denunziation war."

Unter den zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen, die die Behörde in Berlin und den Außenstellen durchführte, stießen insbesondere die Bürgertage zum Jubiläum 20 Jahre Akteneinsicht auf große Resonanz. Unter dem Motto "Wissen wie es war – 20 Jahre Einsicht in die Stasi-Akten" kamen allein in Berlin rund 6.000 Besucher auf das ehemalige Gelände der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg – nicht zuletzt auch um das wenige Tage zuvor von Kulturstaatsminister Bernd Neumann wiedereröffnete "Haus 1", den Dienstsitz Erich Mielkes, zu besichtigen.

Der 11. Tätigkeitsbericht des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) kann unter www.bstu.de abgerufen werden.

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin

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Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin

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Telefon: 030 2324-7170