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Das Bild zeigt einen Mann, der auf einen Bildschirm schaut. Dort ist ein Digitalisat zu sehen. Neben ihm befindet sich eine Apparatur mit Beleuchtung, die zum Scannen dient.
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Digitalisierungsprojekt zu Haft-Unterlagen

Gedenkstätte Hohenschönhausen digitalisiert Kerblochkartei der Hauptabteilung IX

Im Sommer 2018 wählte das Bundesministerium für Bildung und Forschung 14 Forschungsverbünde aus, die die Auseinandersetzung mit der DDR und dem SED-Unrecht stärken sollen. Sie sind auf Initiative des Deutschen Bundestags entstanden. Eines der Projekte, das universitäre Forschung, Gedenkstättenarbeit und Archive verbindet, heißt Landschaften der Verfolgung.

Im Rahmen des Projektes ist seit Anfang des Jahres ein kleines Team der Gedenkstätte Hohenschönhausen Gast in Karteiraum des Stasi-Unterlagen-Archivs. Dort digitalisieren sie etwa 66.000 VSH-Karteikarten der Hauptabteilung IX in Form einer Kerblochkartei (KK). Diese wurden von der von der Untersuchungsabteilung zu politischen Häftlingen angelegt. Auf den Karteikarten im A4-Format sind u.a. Personendaten und Angaben zum „Tatbestand“ vermerkt.

Die Karteikarten werden beidseitig hochauflösend digitalisiert und dann durch eine optische Zeichenerkennung (OCR) in ein maschinenlesbares Format übertragen. Eine genaue Qualitätskontrolle ist in diesem Zusammenhang unerlässlich, um Fehler in der Verzeichnung zu vermeiden. Die ausgelesenen Daten werden dann in eine Datenbank überführt und sollen zu einem späteren Zeitpunkt des Projekts ausgewertet werden.

Das Digitalisierungsprojekt bringt eines der zentralen Ziele des Verbundes voran: Den Aufbau einer Datenbank zu den Dimensionen der politischen Haft in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der DDR. Dazu werden in einem ersten Schritt die Häftlingsdaten der Stasi erfasst. In einem zweiten Schritt sollen die Gefangenen-Daten des DDR-Innenministeriums im Bundesarchiv ebenfalls erhoben werden. Diese Kartei umfasst 835.000 Karteikarten. Da beide Karteien nur unter Schutz der Daten der Betroffenen genutzt werden können, kann ihr späterer öffentlicher Zugang nur anonymisiert ermöglicht werden.

Ziel ist es, zuverlässiger als bisher die Gesamtzahl der Betroffenen bestimmen zu können und differenzierte Aussagen über die heterogene Gruppe der Inhaftierten zu treffen. Dabei kommt der Definition dessen, was politische Haft in der DDR war, eine große Bedeutung zu. Das Team der Gedenkstätte hat dies an spezifischen Strafrechtsnormen und Paragraphen des DDR-Strafgesetzbuches festgemacht. Dieser Katalog ist ein wesentliches Ergebnis des noch laufenden Projekts. 

Die Partner dieses Forschungsverbundes sind die Gedenkstätte Hohenschönhausen, die Humboldt Universität zu Berlin, die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße Potsdam, das Menschenrechtszentrum Cottbus, die Universität Passau, die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die Europa Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Das Stasi-Unterlagen-Archiv ist Kooperationspartner des Forschungsverbunds. Der Abschluss des Projekts und seiner weiteren Vorhaben ist für Ende 2022 geplant.