Direkt zum Seiteninhalt springen
Roland Jahn, Bundesbeauftragter

Der Bundesbeauftragte Roland Jahn

Der Journalist und Jenaer Bürgerrechtler Roland Jahn ist seit 2011 Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU). Vor ihm bekleideten Marianne Birthler und Joachim Gauck dieses Amt.

Zum Inhalt springen

Am 9. Juni 2016 wurde Roland Jahn für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren vom Deutschen Bundestag wieder gewählt. Am 14. März 2011 hatte er das Amt erstmals angetreten. Er ist Nachfolger von Joachim Gauck, BStU von 1990 bis 2000 und Marianne Birthler, BStU von 2000 bis 2011.

Roland Jahn war Mitbegründer der oppositionellen Friedensgemeinschaft Jena. Er protestierte gegen fehlende Meinungsfreiheit und die zunehmende Militarisierung in der DDR. Nach seiner Kritik an der Ausbürgerung Wolf Biermanns wurde er 1977 vom Studium der Wirtschaftswissenschaften exmatrikuliert. 1983 wurde er von der Stasi gegen seinen Willen aus der DDR geworfen.

Von West-Berlin aus hielt er Kontakt zur DDR-Opposition und baute ein Informationsnetzwerk zwischen Ost und West auf. Für die ZDF-Redaktion "Kennzeichen D" und das ARD-Magazin "Kontraste" berichtete er über Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in der DDR.

Nach dem Fall der Mauer wurden die Folgen der SED-Diktatur eines seiner zentralen Themen als ARD-Redakteur. Im Januar 2011 wurde er vom Deutschen Bundestag zum Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen gewählt und trat am 14. März 2011 sein Amt an. Am 9. Juni 2016 wählte der Bundestag ihn für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren wieder.

Post an den Bundesbeauftragten

Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik ist erreichbar über:

Roland Jahn, Bundesbeauftragter

Bundesbeauftragter

Roland Jahn

BStU
Karl-Liebknecht-Str. 31/33
10178 Berlin

Telefon: 030 2324-50
Fax: 030 2324-7799
E-Mail: Bundesbeauftragter@bstu.bund.de

Lebenslauf

Roland Jahn wird 1953 in Jena geboren.

In der Schulzeit vermerkt die Klassenlehrerin im Zeugnis der 8.Klasse, dass er dazu neige "in Opposition zu treten." Doch zunächst läuft Jahns Leben in den Bahnen der DDR. Nach dem Abitur 1972 leistet er bis 1974 Grundwehrdienst bei der kasernierten Bereitschaftspolizei in Rudolstadt.

1975 beginnt er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Jena. Anfang 1977 wird er exmatrikuliert, weil er zuvor gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann Stellung bezieht. Infolge wird er ab März 1977 als Transportarbeiter zur "Bewährung in die Produktion" beim VEB Carl-Zeiss-Jena geschickt. Er protestiert einfallsreich gegen das Bildungsverbot und trägt bei der 1.Mai Demo im Meer der Parteisprüche ein weißes, leeres Plakat – ein Protest gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Einen Anwerbeversuch der Staatssicherheit weist er zurück.

Eine Zäsur im Leben ist der Tod seines Freundes Matthias Domaschk, der am 12. April 1981 in der Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Gera ums Leben kommt. Ein Jahr später schaltet Jahn in der Jenaer Lokalpresse eine Traueranzeige und besorgt sich Dutzende von Exemplaren, aus denen er die Anzeige ausschneidet und an Wände und Lichtkästen klebt. Auch die bundesdeutschen Medien erfahren vom Tod des jungen Freundes. Der Tod in Stasi-U-Haft wird öffentlich.

1982 protestiert Jahn auf der offiziellen 1. Mai Demonstration gegen Diktatur, in dem er sich an den Straßenrand stellt, zur Hälfte je mit Hitler- und Stalin-Bart maskiert, und so "die Parade abnimmt". Später verschickt er auch Postkarten mit dem Motiv. Am 1.September 1982 nimmt die Stasi eine kleine polnische Fahne mit dem Schriftzug "Solidarnosc z polskim narodem" (Solidarität mit dem polnischen Volk) an seinem Fahrrad zum Anlass, ihn zu verhaften.

Nach fünf Monaten Untersuchungshaft wird Jahn im Januar 1983 vom Geraer Kreisgericht zu 22 Monaten Freiheitsstrafe wegen "öffentlicher Herabwürdigung der staatlichen Ordnung" und "Missachtung staatlicher Symbole" verurteilt. Nach internationalen Protesten gegen seine Inhaftierung – und die weiterer Jenaer Oppositioneller – wird er Ende Februar 1983, nach insgesamt sechs Monaten Haft, frei gelassen. Er widerruft den im Gefängnis gestellten Ausreiseantrag.

Er gründet mit Freunden die Friedensgemeinschaft Jena, die am 18.März 1983 erstmals als kirchenunabhängige Oppositionsgruppe bei einer öffentlich Veranstaltung auftritt – einer Demonstration zur Erinnerung an die Opfer des Bombenangriffs auf Jena am 19.März 1945. Weitere Demonstrationen mit eigenen Plakaten folgen, so beim FDJ-Pfingstreffen, auf dem die Gruppe gegen die zunehmende Militarisierung der DDR demonstriert.

Postkartenmotiv, mit dem Roland Jahns gegen seine Zwangsexmatrikulation protestierte.
Roland Jahn bei seiner Antrittsrede

Am 8. Juni 1983 wird Roland Jahn auf das Jenaer Wohnungsamt bestellt, Teil eines von Stasi-Minister Mielke persönlich abgezeichneten Maßnahmeplans der Staatssicherheit. Ihm wird die Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR mitgeteilt und er wird gegen seinen Willen in Knebelketten gefesselt gewaltsam aus seiner Heimat gebracht. Die Stasi sperrt ihn in den letzten Waggon eines Interzonenzuges, sein Abteil wird erst in der Bundesrepublik wieder geöffnet.

Roland Jahn lässt sich in West-Berlin nieder und bleibt in engem Kontakt zu DDR Oppositionsgruppen. Für sie baut er eine Brücke in zahlreiche Medien, darunter die ZDF Redaktion "Kennzeichen D", die Tageszeitung "taz", den RIAS und das ARD Magazin "Kontraste". Für die DDR Opposition beschafft er Druckmaschinen und Videokameras und lässt sie in den Osten schmuggeln.

Auch im Westen bleibt Jahn Zielscheibe der Stasi. Sie fertigt Skizzen seiner Wohnung an, hört seine Telefonate ab, schleust IM in sein Umfeld. Sogar ein Einsatzplan mit "Absperrpunkten" rund um sein Kreuzberger Wohnhaus wird angefertigt, um gegebenenfalls gegen ihn vorzugehen.

Mit dem Fall der Mauer beginnt für Roland Jahn, nun als Autor und Redakteur des ARD Fernsehmagazins "Kontraste", eine intensive journalistische Auseinandersetzung mit der Hinterlassenschaft der DDR Diktatur. 2006 wird er Chef vom Dienst und stellvertretender Redaktionsleiter.

Seit 1996 ist Roland Jahn Beiratsmitglied der Robert-Havemann-Gesellschaft. 1999 wird er Mitglied des Fachbeirats der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und ist von 2006 bis 2010 Mitglied im Beirat der Stiftung Berliner Mauer. 1998 erhält Jahn das Bundesverdienstkreuz, 2005 den Bürgerpreis zur Deutschen Einheit der Bundeszentrale für politische Bildung und 2010 die "Dankbarkeitsmedaille" der Solidarnosc.

Am 28. Januar 2011 wählt ihn der Deutsche Bundestag mit fraktionsübergreifender Mehrheit zum neuen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Er folgt damit auf Marianne Birthler (2000 - 2011) und Joachim Gauck (1990 - 2000). Am 14. März 2011 hält er seine Antrittsrede: "Das Lügen darf nicht belohnt werden" im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Am 9. Juni 2016 wird er vom Deutschen Bundestag für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren wiedergewählt. Bei 570 (2011: 577) abgegebenen Stimmen erhält er 511 Ja-Stimmen (2011: 535) und 39 Nein-Stimmen (2011: 21) bei 20 Enthaltungen (2011: 21).

Ausgewählte Termine des Bundesbeauftragten

Dienstag, 4. Dezember 2018
Teilnahme am Treffen der Opfer-Verbände aus Sachsen-Anhalt auf Einladung der Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Ort: Magdeburg, Sachsen-Anhalt

Mittwoch, 5. Dezember 2018
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Vortrag und Teilnahme an einer Podiumsdiskussion bei der Veranstaltung "Zersetzungsmaßnahmen der Staatssicherheit und verwehrte Entschädigung heute" der UOKG
Ort: Stasi-Museum, Stasi Zentrale. Campus für Demokratie, Ruschestraße 103, Berlin

Freitag, 7. Dezember 2018
Uhrzeit: 11:00 Uhr
Impuls und Teilnahme an einer Podiumsdiskussion bei einer Veranstaltung zum Thema "Zwangsadoption"
Ort: Thüringer Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1 99096 Erfurt

Dienstag, 11. Dezember 2018
Austausch mit der Landesgruppe Ostdeutschland der Bundestagsfraktion der Freien Demokratie
Ort: Berlin

Donnerstag, 13. Dezember 2018
Austausch mit Thüringer Opferverbänden
Ort: BStU-Außenstelle, Erfurt

Donnerstag, 13. Dezember 2018
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Vortrag und Austausch im Rahmen der Ringvorlesung des Thüringer Landtags und der Universität Erfurt
Ort: Universität Erfurt

Freitag, 14. Dezember 2018
Sitzung des Kuratoriums des Deutschen Institut für Menschenrechte
Ort: Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin

Donnerstag, 17. Januar 2019
Teilnahme an der Beiratssitzung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Ort: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Genslerstraße 66, 13055 Berlin

Freitag, 18. Januar 2019
Austausch mit Vertretern der Brandenburger Opferverbände auf Einladung der Brandenburger Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur
Ort: Potsdam

 

 

Ausgewählte Interviews

Seite

"Sind die Demos heute wie die von 1989, Herr Jahn?"

Roland Jahn im Interview mit Super Illu, erschienen am 8. November 2018.

Herr Jahn, wir befinden uns hier in der einstigen Stasi- Zentrale in Berlin- Lichtenberg. Hinter uns das Gebäude mit dem Büro von Erich Mielke. Sie sind 1983 als oppositioneller Geist gewaltsam aus der DDR geworfen worden. Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn wir hier stehen? Roland ...

Seite

Es geht um mehr, als den Blick zurück

Roland Jahn im Interview mit der Informationszeitschrift "Der Stacheldraht", erschienen in der Ausgabe 1/2013

Ein Gespräch mit dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn

Seite

"Die Mauer steht für das System einer Diktatur"

Zirkeltag – 28 Jahre mit und ohne Mauer

Roland Jahn im Interview mit in der "Berliner Morgenpost", erschienen am 5. Februar 2018

Ausgewählte Reden

Seite

"Der Text einer Verfassung ist noch keine Garantie für Menschenrechte"

25. Oktober 2017. Rede beim Festakt zum Tag der Thüringer Verfassung im Landtag von Thüringen

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident Carius, Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Ramelow, Sehr geehrte Abgeordnete, Sehr geehrte Damen und Herren, Zunächst möchte ich mich bedanken, dass Sie mich eingeladen haben, hier heute zu diesem Anlass zu sprechen. Es ist auch für mich eine ...

Seite

"Neues schaffen, um den Kern des Alten zu bewahren"

Statement des Bundesbeauftragten Roland Jahn vor der Bundespressekonferenz anlässlich der Überreichung des 13. Tätigkeitsberichts am 21. März 2017

Sehr geehrte Damen und Herren, Ich begrüße Sie zur Vorstellung des 13. Tätigkeitsberichtes des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, den ich vor gut einer Stunde dem Präsidenten des Deutschen Bundestags Prof. Dr. Norbert Lammert übergeben habe. Der Zeitraum des Tätigkeitsberichtes, ...

Seite

"Horizont über die Stasi hinaus erweitern"

15. Februar 2017. Rede beim Festakt der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) anlässlich des 25-jährigen Bestehens, Berlin

Liebe Mitglieder der Opferverbände, sehr geehrte Damen und Herren! Es ist das Verdienst der UOKG, stets die Gesellschaft daran zu erinnern, was es ganz konkret heißt, Unrecht erlebt zu haben. Die Union der Opferverbände der kommunistischen Gewaltherrschaft gibt seit nunmehr 25 Jahren denen ...