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Regale im Stasi-Unterlagen-Archiv in Berlin

Über das Archiv

Die Archive des BStU in der Berliner Zentrale und in den Regionen sorgen für die sichere Aufbewahrung, Nutzbarmachung und Bereitstellung aller Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit (1950 - 1989). In den Archiven finden sich auch die Unterlagen der Vorgängerorganisationen, etwa der politischen Polizei K 5, und der Nachfolgerorganisation, Amt für Nationale Sicherheit der DDR.

Einblick ins Archiv

Derzeit digital verfügbar:

  • 24 Audios
  • 2869 Dokumente
  • 113 Bilder
  • 37 Videos

Aufgaben des Archivs

Neben den schriftlichen Unterlagen gibt es in den Archiven zahlreiche audio­visuelle Datenträger, wie Fotos, Dias, Videos, Filme und Tonträger. Das Schriftgut besteht einerseits aus bereits zu Zeiten des Staatssicherheits­dienstes archivierten Akten, andererseits aus dem Material, mit dem die Mitarbeiter des MfS in den Diensteinheiten noch bis zur friedlichen Revolution 1989/90 arbeiteten. Im Archiv der Zentralstelle in Berlin liegen rund 40 Prozent der 111.000 laufende Meter umfassenden Gesamtmenge an Unterlagen.

Eine der Hauptaufgaben der Archive ist es, die Unterlagen für die Benutzung durch Bürgerinnen und Bürger, Forschung und Medien zugänglich zu machen. Die Ergebnisse dieser archivischen Bearbeitung stellt der BStU über Akten­verzeichnisse online zur Verfügung. Detaillierte Angaben zu einzelnen Beständen erhalten Sie außerdem in den Bestands­informationen. Die Archive präsentieren auf ihren Webseiten auch regelmäßig Dokumente und die damit verbundenen Geschichten - Geschichte aus Akten wird lebendig. Da die Akten in ständiger Benutzung sind, besteht eine wichtige Aufgabe der Archive darin, sie zu restaurieren und zu konservieren. So werden die Unterlagen für die Zukunft dauerhaft gesichert.

Überlieferungslage

Die bei dem Bundesbeauftragten verwahrten Unterlagen dokumentieren die Aufgaben des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) einschließlich seiner Vorgänger- und Nachfolgeorganisationen. Sie belegen die im Auftrag und mit Wissen der SED wahrgenommene Tätigkeit der DDR-Staatssicherheit als politische Geheimpolizei, geheimer Nachrichtendienst und "Organ" für strafrechtliche Untersuchungen.

Um die Jahreswende 1989/90 besetzten Bürgerinnen und Bürger in allen Bezirken und Kreisen der DDR die Dienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit. So wurde der Geheimdienst seines Herrschaftswissens beraubt und zugleich die wichtige Überlieferung vor der Vernichtung bewahrt.

Das Schriftgut gliedert sich in die bereits zu Zeiten des Staatssicherheitsdienstes archivierten Akten und in dasjenige Material, mit dem in den Diensteinheiten des MfS noch im Jahr 1989 gearbeitet wurde. Die Unterlagen, welche die Bürgerinnen und Bürger in den Büros der Offiziere vorfanden, wurden in Bündeln zusammengefasst und dem Zugriff der MfS-Mitarbeiter entzogen. Daneben konnten originale Findmittel des MfS gesichert werden. Überwiegend handelt es sich dabei um die sogenannten zentralen Personenkarteien des MfS wie die allgemeine Personenkartei "F 16", die Vorgangskartei "F 22" oder die Decknamenkartei "F 77". Außerdem gibt es zahlreiche Karteikarten der einzelnen Diensteinheiten des MfS.

Inhaltlich wichtige Quellen sind beispielsweise:

  • Unterlagen über Beobachtung und Bearbeitung sämtlicher Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens vorwiegend in der DDR und in der Bundesrepublik Deutschland, so z.B. die MfS-Aktenkategorien "Operative Vorgänge", "Operative Personenkontrollen", "Untersuchungsvorgänge".
  • Informationsübersichten und Stimmungsberichte des MfS an die Partei- und Staatsführung,
  • Protokolle von Dienstberatungen der verschiedenen Leitungsebenen des MfS,
  • Unterlagen zu Organisation und Dienstbetrieb des Staatssicherheitsdienstes, z.B. dienstliche Bestimmungen des MfS, Struktur-, Stellen- und Jahrespläne der einzelnen Diensteinheiten des MfS.

Erschließung und Bewertung

Der Umfang des 1989/90 in den Büros der Diensteinheiten aufgefundenen Materials beträgt circa 61.000 laufende Meter. Diese vielfach ungeordnet überlieferten Bündel werden vorrangig erschlossen und, falls nötig, zu Akten formiert. Die Erschließung ist der Prozess der Ordnung und Verzeichnung der Unterlagen sowohl personen- als auch sachbezogen. Sie erfolgt seit 1998 IT-gestützt in der Datenbank "Sachaktenerschließung" (SAE). Der Anteil der bereits vom MfS archivierten Akten an der schriftlichen Gesamtüberlieferung beträgt etwa 51.000 laufende Meter. Dieser Teil ist über die bereits vom MfS selbst angelegten Findmittel personenbezogen zugänglich. Die Archivarinnen und Archivare veröffentlichen ihre Erschließungsergebnisse in Online-Findmitteln und teilweise in Druckform. Die Nutzung der Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes richtet sich nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG).

Zu den gesetzlichen Aufgaben des BStU gehört auch die Bewertung der Unterlagen nach archivischen Grundsätzen (§ 37 Abs. 1 Nr. 2 StUG). Archivfachlich bedeutet Bewertung die Entscheidung, ob Unterlagen dauernd aufbewahrungswürdig sind oder nicht. Bei negativer Bewertungsentscheidung können die betreffenden Unterlagen entsorgt, also kassiert, werden.

Aus naheliegenden Gründen ist die Bewertungsbefugnis der Archivare beim BStU aber stark eingeschränkt. So werden selbstverständlich die Akten der Betroffenen (Opferakten) und die Akten der hauptamtlichen oder inoffiziellen Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes immer erhalten. Aus Sicht des BStU sollte sich daran auch zukünftig nichts ändern, das heißt diese Akten sollten auch in Zukunft nicht zum Gegenstand archivischer Bewertung werden.

Die archivfachliche Bewertung ist beim BStU in einer speziellen Arbeitsanweisung geregelt. Mit ihr ist ein so genannter Bewertungskatalog verknüpft, der seit 2001 gültig ist. Der Bewertungskatalog legt fest, welche Unterlagenarten (in den engen Grenzen, die dafür vom BStU gesetzt sind) überhaupt bewertet und gegebenenfalls ersatzlos kassiert werden können. Demnach kommen dafür überhaupt nur Unterlagen in Frage, die zu einer der im Bewertungskatalog genannten Schriftgutkategorien gehören und außerdem auch nach archivfachlicher Einschätzung nicht dauerhaft aufbewahrungswürdig sind.

Von den bisherigen Kassationen beim BStU betraf ein großer Teil sogenannte Mehrfachüberlieferungen. Das sind identische Unterlagen, von denen der BStU bereits Exemplare archiviert hat. Ein weiterer erheblicher Anteil betraf Verpackungsmaterialien sowie Leerformulare, von denen ebenfalls ausreichend Musterexemplare gesichert sind. Nur für einen begrenzten Anteil war bisher eine inhaltliche Bewertung nach dem Bewertungskatalog überhaupt nötig. In den Tätigkeitsberichten des BStU wird auch Auskunft zu Fragen der Bewertung und Kassation gegeben.