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Ein Mitarbeiter der Hauptabteilung Personenschutz in einer Fußgängerzone in München

Stasi im Westen

In den 40 Jahren der deutschen Teilung war die alte Bundesrepublik inklusive West-Berlin ein besonders intensives Spionageziel der Stasi. Zur Informationsgewinnung warb die Stasi Bundesbürger an, die für die DDR spionierten. Sie trainierte aber auch Spione in der DDR, die dann in die Bundesrepublik eingeschleust wurden.

Was? Die DDR betrieb in der alten Bundesrepublik Spionage in einem Ausmaß, das für Friedenszeiten ungewöhnlich war, aber vor dem Hintergrund des "Kalten Krieges" und der deutschen Teilung erklärbar ist und auch nur deshalb so intensiv funktionieren konnte.

Warum? In der Bundesrepublik wurden gezielt die Politik, gesellschaftliche Verbände, Medien, Militär, Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und Wirtschaft ausgespäht. Bei der politischen Spionage ging es darum, frühzeitig von politischen und personellen Entscheidungen und Veränderungen zu erfahren und ggf. Einfluss nehmen zu können. Die Militärspionage wiederum ordnete sich in das Bemühen um militärische Überlegenheit ein, während Wirtschaftsspionage vor allem bedeutete, westliches Knowhow zu stehlen.

Wer? Innerhalb des MfS war für die Spionage in erster Linie die HV A, die Hauptverwaltung A, auch "Aufklärung" genannt, zuständig. In ihrem Sprachgebrauch hießen andere Länder, in denen sie ihre Aktivitäten entfaltete, "Operationsgebiete", kurz OG. Bis 1986 war Markus Wolf Chef der HV A, dann bis zum Ende der Stasi 1989/90 Werner Großmann.

Wie? Es gelang der Stasi auf vielfältige Weise Bundesbürger als IM zu werben. Sie nutzte dabei u.a. erfolgreich die vielen familiären Verbindungen zwischen Ost- und Westdeutschen, aber auch politische Überzeugungen und finanzielle / materielle Anreize. Für die "Kundschaftertätigkeit" in der Bundesrepublik trainierte die Stasi in geringerem Umfang auch ostdeutsche Agenten, die sie in die Bundesrepublik einschleuste. Zum Teil nutze sie auch DDR-Bürger, die in den Westen reisen durften, sogenannte Reisekader, als inoffizielle Mitarbeiter (IM).

Wie noch? Weitere Wege der Informationsbeschaffung waren u.a. die Funkaufklärung, bei der massiv bundesdeutsche Telefonate abgehört wurden (HA III Funkaufklärung und Funkabwehr), die Postkontrolle oder die diplomatische Vertretung der DDR in Bonn seit 1974. Neben der HV A und den von ihr angeleiteten Abteilungen XV in den 15 Bezirksverwaltungen waren auch andere MfS-Abteilungen in großem Umfang im Westen aktiv und führten dort IM. Sie versuchten beispielsweise, DDR-Regimekritiker mundtot zu machen oder verfolgten Fluchthelfer oder auch ausgereiste DDR-Bürger. Als Teil des MfS war die HV A in der Regel über diese Aktivitäten im Bilde und gelegentlich selbst daran beteiligt.

Wie viele? Ende der 1980er Jahre spionierten rund 3.000 Bundesbürger für die DDR. Im Laufe von 40 Jahren deutscher Teilung lieferten somit insgesamt schätzungsweise 12.000 Bundesbürger aus und über die Bundesrepublik Informationen.

P.S.: Die HV A des MfS konnte nach dem Ende der Stasi die dafür zuständigen Gremien davon überzeugen, sich in Eigenregie aufzulösen. Dabei hat sie auch ihre Unterlagen weitgehend vernichten können. Daher ist der Umfang der Unterlagen zur deutsch-deutschen Spionage im Stasi-Unterlagen-Archiv relativ gering. Eine umfassende Übersicht zur HV A findet sich im MfS-Handbuch HV A

Es werden auf dieser Seite in einer kleinen Auswahl Einblicke in die "Westarbeit" des MfS gegeben. Die ausgewählten Beispiele wurden bei der BStU-Wanderausstellung "Feind ist, wer anders denkt" ausgestellt, die vor allem in den alten Bundesländern tourt. Die ausgewählten Themen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und nehmen auch durch die Wahl der Orte keine Wertigkeit der Aktivitäten vor.

Alle Beiträge zum Thema Stasi im Westen

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Die Stasi in Niedersachsen: Borkum

Auf Borkum war die Stasi unter anderem bei der Observierung der Flüchtlingslager und an der Küste aktiv. Der Untergang eines DDR-Schiffes unweit der Insel sowie das Abhören von Funkstrecken auf der Nordsee und das Auskundschaften einer Forschungsplattform auf dem Meer gehörten ebenfalls zu ihren...

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Die Stasi in Bayern: Ingolstadt

In Ingolstadt interessierte sich die Stasi für das Audi-Werk, eine Erdöl-Pipeline und eine Raffinerie. Zudem führte sie hier einen Bank-Angestellten als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM), der Finanzdaten seiner Kunden an das MfS lieferte. Später konnte das MfS auch seinen Sohn anwerben und ihn als IM...

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Die Stasi in Baden-Wüttemberg: Stuttgart

In Stuttgart hatte die Stasi beispielsweise eine Gruppe von Bauarbeitern aus der DDR im Blick, die in der Landeshauptstadt auf einer Baustelle tätig waren. Außerdem lieferte ein ehemaliger DDR-Bürger ein Jahrzehnt lang Informationen über die Region, die Stimmung der Bevölkerung sowie Details aus...

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Der Kiez des kleinen Erich

Zum 70. Geburtstag erhielt der Minister für Staatssicherheit Erich Mielke ein besonderes Geschenk. Es waren Fotos, die den West-Berliner Stadtteil Wedding zeigen. Denn dort, im Wedding, war Mielke einst aufgewachsen – eine Heimat im Westen, die der Stasi-Chef nun nicht mehr besuchen konnte.

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Stasi in West-Berlin: Radio Glasnost

Radio aus dem Osten für den Osten - von West-Berlin aus gesendet

Vor 30 Jahren, am 22. Juli 1987, ging "Radio Glasnost - außer Kontrolle" in West-Berlin erstmals auf Sendung. Der private Alternativ-Kanal "Radio 100" machte es möglich - eine Sendung der DDR-Opposition aus West-Berlin für die ganze Stadt. Auch die Stasi hörte mit.