Direkt zum Seiteninhalt springen
Blick ins Obergeschoss. Die in der Mitte befindlichen Freiräume zwischen den einzelnen Geschossen sind mit Gittern gesichert. Links und rechts erkennt man die Zellentüren.

Dokumentations- und Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-Untersuchungs-Haftanstalt (DuG) in Rostock

Ein wesentliches Zahnrad im Getriebe der SED-Diktatur war das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Es verstand sich selbst als "Schild und Schwert der Partei". Bei der Stasi handelte es sich um eine Geheimpolizei, die selbst Verhaftungen vornahm und eigene Untersuchungshaftanstalten (UHA) in Ost-Berlin und allen DDR-Bezirksstädten betrieb.

Hierzu gehörte auch die ehemalige Haftanstalt im Grünen Weg in Rostock. Sie entstand Ende der 1950er Jahre im Rahmen der Neuerrichtung des Komplexes der Stasi-Bezirksverwaltung zwischen August-Bebel-Straße, Augustenstraße, Hermannstraße und Grüner Weg.

Anfang 1960 kamen die ersten Häftlinge in die UHA. Bis 1989 inhaftierte die Stasi dort rund 4900 Frauen und Männer aus überwiegend politischen Gründen. Dazu gehörten z.B. die Straftatbestände "Hetze", "Gruppenbildung", "staatsfeindliche Verbindungsaufnahme" und in zunehmendem Maße "versuchte Republikflucht". Die Insassen mussten im Durchschnitt fünf bis sechs Monate Untersuchungshaft mit ständigen Verhören und unter starker Isolation über sich ergehen lassen, bis sie durch ein Gericht formal abgeurteilt und in eine Strafvollzugseinrichtung verlegt wurden.

Die Untersuchungshaftanstalt des MfS verfügte über ca. 50 Zellen (durch Umbauten änderte sich die Anzahl der Hafträume immer wieder) sowie Duschräume, Aufenthaltsräume für ein Strafgefangenenarbeitskommando und das Wachpersonal, Röntgenraum, medizinischem Raum, Fotoraum, vier Erstaufnahmezellen, Waschküche und Küchentrakt. Im Kopfbau, ebenfalls Teil der Gedenkstätte, fanden die Verhöre statt. Auch sollten die Inhaftierten hier (oft nur theoretisch) einmal pro Monat Besuch und schließlich ihren Rechtsbeistand empfangen dürfen. Außerdem verfügte das MfS im Kopfbau über verschiedene Büros.

Am 4. Dezember 1989 besetzten Bürgerrechtler*innen die ehemalige MfS-Bezirksverwaltung samt U-Haft und sicherten die noch verbliebenen Akten. Die Untersuchungshaftanstalt wurde noch kurze Zeit weiter als Untersuchungsgefängnis genutzt. Ein Teil der ehemaligen Zellen wurde dann seit 1992 durch verschiedene Institutionen zur Aktenlagerung genutzt.

1998 wurde die frühere Haftanstalt Teil des "Dokumentationszentrums des Landes MV für die Opfer deutscher Diktaturen". In Kooperation mit dem Land MV und der Universität Rostock eröffnete der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) 1999 in den Räumen der früheren UHA die Dokumentations- und Gedenkstätte (DuG). Seither kamen bis zur sanierungsbedingten Schließung (09/2017) mehr als 120.000 Besucher*innen, darunter viele Schüler*innen und Studierende in die DuG, um sich über die Tätigkeit der Geheimpolizei in der SED-Diktatur und das Haftregime zu informieren.

Ein Großteil der Akten zu den ehemaligen Häftlingen ist heute im Stasi-Unterlagen-Archiv Rostock in Waldeck-Dummerstorf zu finden. Hinzu kommen die Akten der für die Untersuchungshaft zuständigen Abteilung XIV und der Einheit, die die Verhöre durchführte, der Abteilung IX. Das Archiv enthält zudem zahlreiche Bauunterlagen und einige Fotos zum Komplex der heute denkmalgeschützten ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung, in der seit 1991 das Landgericht Rostock sitzt, und zur Stasi-Untersuchungshaftanstalt.

2017 begann mit Mitteln des Bundes und des Landes die denkmalgerechte Sanierung der Dokumentations- und Gedenkstätte ehemalige Stasi-U-Haft. Federführend ist dabei die Staatliche Bau- und Liegenschaftsverwaltung des Landes Mecklenburg-Vorpommern (SBL). Als leitendes Architekturbüro fungiert stadt+haus aus Wismar. Die Sanierung soll im November 2020 abgeschlossen sein. Das künftige Betreibermodell ist noch offen.

Weitere Informationen

Publikation

Die Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit in Rostock

Ermittlungsverfahren, Zelleninformatoren und Haftbedingungen in der Ära Honecker

Die Studie bietet die erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der MfS-Untersuchungshaftanstalt Rostock, ihren Insassen und den hier herrschenden Haftbedingungen.