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MfS-Lexikon

Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung (IWF)

Synonym: Außenpolitischer Nachrichtendienst (APN);IWF

Das IWF - mitunter auch als Außenpolitischer Nachrichtendienst (APN) bezeichnet - ist ein Vorläufer der Hauptverwaltung A (HV A) und bestand 1951-1953. Leiter waren Anton Ackermann, Richard Stahlmann und Markus Wolf. Das IWF arbeitete parallel zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Es hatte in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin konspirativ vor allem politische, wissenschaftlich-technische und wirtschaftliche Informationen zu beschaffen.

Das IWF hatte die "innenpolitische und wirtschaftliche Lage in Westdeutschland", Parlament und Regierung der Bundesrepublik, die Parteien, die wissenschaftlich-technischen Zentren, die Kirchen und andere Organisationen mit Hilfe von illegal operierenden Quellen aufzuklären sowie "Licht auf die Politik der westlichen Besatzungsmächte zu werfen", heißt es im Gründungsbeschluss des sowjetischen Informationskomitees.

Ferner gehörten zu seinen Aufgaben die politische Aufklärung in Westberlin, wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Aufklärung auf den Gebieten der Kern- und Trägerwaffen, der Kernenergie, Chemie, Elektronik und Elektrotechnik, des Flugzeug- und Maschinenbaus und der konventionellen Waffen.

Es gab zuletzt vier HA und mindestens sechs Abteilungen. Die I. HA befasste sich mit der politischen Aufklärung in Westdeutschland. Sie versuchte in Regierungsstellen und Parteien der Bundesrepublik mit Quellen einzudringen. Sie befasste sich auch mit gesellschaftlichen Organisationen und Verbänden, mit den Kirchen und den Besatzungsmächten. Eine Zeitlang wurde die HA Information als II. HA ausgewiesen, die jedoch zur III. HA aufrückte. Sie wertete die von den HA und Abt. Operativ beschafften Informationen aus. Die IV. HA war zuständig für die nachrichtendienstliche Ausrüstung der Quellen.

Die 1. Abt. befasste sich mit der Gegenspionage. Die wissenschaftlich-technische Aufklärung (WTA) war Gegenstand der 2. Abt. (dann 3. Abt. bzw. Abt. III). Die 3. Abt. - später Abt. K genannt - war für die Kadergewinnung und die Auswahl der Kursanten für die institutseigene Schule zuständig. Als 3. Abt. firmierte zeitweise, vermutlich bei Einrichtung des IWF, eine Abt., die das inoffizielle Netz in Westberlin führte. In der 4. Abt. verzeichnete das IWF in der Erfassungskartei alle Personen, an denen operatives Interesse bestand, die persönlichen Kontenblätter, auf denen für jeden operativen Mitarbeiter die von ihm geführten Vorgänge verzeichnet waren, sowie das Archiv.

Im April 1953 lief mit Gotthold Krauss, der mit dem amerikanischen Nachrichtendienst kooperiert hatte, ein Abteilungsleiter des IWF nach Westberlin über. Seine Erkenntnisse gingen in die Aktion "Vulkan" des Bundesamtes für Verfassungsschutz ein und lösten eine Verhaftungswelle aus. Dieser Übertritt erzwang eine Reorganisation des IWF.

Helmut Müller-Enbergs