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Pressemitteilung

"Feind ist, wer anders denkt" in Cuxhaven

Wanderausstellung des BStU über die Staatssicherheit der DDR

Die Wanderausstellung "Feind ist, wer anders denkt" erreicht am 4. September in Cuxhaven ihre 45. Station. Die Ausstellung dokumentiert Entstehung, Aufgaben und Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und erläutert, wie dieses durch Überwachung, Bespitzelung und Unterdrückung die Macht der Staatspartei SED sicherte. Im Vordergrund steht das Schicksal der Menschen, die ins Visier der Stasi gerieten, in Ost und West. Sondertafeln zeigen Geschichten aus der Region Cuxhaven, die in Stasi-Unterlagen dokumentiert sind. Unter anderem geht es um das DDR-Kreuzfahrtschiff MS Arkona (vormals ZDF-Traumschiff), um Fischgeschäfte mit der DDR und Observierungen von Cuxhavenern durch die Stasi. Zwei Module erinnern an die Friedliche Revolution 1989.

Eröffnung

  • 4. September 2014, 17.00 Uhr
    Erika Fischer, Bürgermeisterin der Stadt Cuxhaven
    Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und
    digitale Infrastruktur
    Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen (BStU)

Ort

  • Rathaus, Cuxhavensaal, anschl. Bürgerhalle,
    Rathausplatz 1, 27472 Cuxhaven

Öffnungszeiten

  • 4. September bis 18. September 2014
    montags bis donnerstags 8.30 bis 12.30 Uhr
    dienstags und donnerstags 14.30 bis 17 Uhr
    freitags 7.30 bis 12.30 Uhr

Begleitprogramm

  • 4. September, 14 bis 17 Uhr, Lehrerfortbildung,
    Dr. Hans-Peter Löhn, Bürgerhalle des Rathauses,
    11. September, 19 Uhr, Vortrag
    "Knastware für den Klassenfeind", Dr. Tobias Wunschik, BStU,
    Stadtbibliothek, Kapitän-Alexander-Straße 1,
    16./17. September, Projekttage an Schulen

Der Eintritt ist frei.
Elmar Kramer, Stellv. Pressesprecher

Hintergrundinformationen zu Cuxhaven und Umgebung

Zahlen zur Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagen-Behörde (1991 bis Juni 2014)

  • Anträge gesamt aus Niedersachsen: 61.314
    darunter persönliche Akteneinsicht / Kopienherausgabe: 54.570
  • Anträge gesamt aus Cuxhaven: 389
    darunter persönliche Akteneinsicht / Kopienherausgabe: 342

Im Visier der Stasi: Cuxhaven und seine Umgebung

Die Cuxhavener Firma Euro Trade war in den 80er Jahren Geschäftspartner des volkseigenen Betriebs (VEB) Fischkombinat Rostock. Inoffizielle Mitarbeiter (IM) überwachten die Kontakte. Berichtet wurde über Geschäftsstreitigkeiten, weil das DDR-Fischkombinat die aufwändige Verpackung einer BRD-Fischdelikatesse nicht bezahlen wollte, und über die Vermarktung von Garnelen, die DDR-Schiffe vor der Küste Mosambiks gefangen hatten. Auch ein zu hoher Bleigehalt von "Sardinen in Tomatentunke" in Konservendosen spielte eine Rolle.

Westbürger, die regelmäßig die DDR besuchten, standen bei der Staatssicherheit oft unter Beobachtung. So erging es einem Cuxhavener Lehrer, der seit 1985 oft zu Mitgliedern der Kirchengemeinde Ribnitz-Damgarten (Bezirk Rostock) reiste. Die Stasi vermutete "politischen Missbrauch kirchlicher Partnerschaftsbeziehungen" und legte zu dem Mann eine operative Personenkontrolle (OPK) unter dem Decknamen "Pauker" an. In Cuxhaven wurde er ausspioniert, Post in die DDR wurde kontrolliert, seine Reisen standen unter Beobachtung, darunter 1988 eine von ihm organisierte Studienreise für Cuxhavener Lehrer. In den Stasi-Unterlagen befinden sich Bilder, die ihn am Tisch in seinem Wohnhaus zeigen. Noch im Sommer 1989 werden weitere Überwachungsmaßnahmen geplant. Zum nächsten Termin zur "Einschätzung der operativen Ergebnisse" kommt es nicht: Er war für den 15. Januar 1990 angesetzt.

Das unter dem Namen MS Astor als "Traumschiff" des ZDF bekannt gewordene Kreuzfahrtschiff stand im Zentrum von Stasi-Beobachtungen, nachdem die Deutsche Seereederei Rostock den Luxusliner 1985 gekauft und zur MS Arkona gemacht hatte. Neben dem DDR- Gewerkschaftsbund und der staatlichen Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) charterte der westdeutsche Reiseveranstalter Seetours International das Schiff und steuerte regelmäßig Hamburg und Cuxhaven an. Stasi-Spitzel waren der Stimmung der Westbürger und Fluchtplänen der DDR-Bürger auf der Spur. Ein ZDF-Filmteam, das 1987 für "Kennzeichen D" eine Woche lang an Bord war, wurde intensiv begleitet. Am 13. Mai 1989 kehrten einige Besatzungsmitglieder in Cuxhaven nicht vom Landgang zurück.

Kontakt zur Pressestelle

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin

Pressesprecherin

Dagmar Hovestädt

Telefon: 030 2324-7170