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Pressemitteilung

"Feind ist, wer anders denkt" in Kiel

Wanderausstellung über die Stasi mit regionalen Bezügen

Wie erging es den Menschen in Ost und West, die ins Visier der Staats-sicherheit der DDR gerieten? Mit welchen Methoden arbeitete die Stasi? Und wie präsent war die Geheimpolizei auch in der Bundesrepublik? Antworten gibt die Wanderausstellung "Feind ist, wer anders denkt" des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU).

Sie wird am Dienstag, den 06. September 2016, im Schleswig-Holsteinischen Landtag in Kiel vom Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn und dem Kieler Landtagspräsidenten Klaus Schlie eröffnet. Die Schau dokumentiert, wie durch Überwachung, Bespitzelung und Unterdrückung von Menschenrechten die Macht der Staatspartei SED in der DDR gesichert wurde. Zwei Sondertafeln zeigen Stasi-Unterlagen mit Bezug zur Region Kiel.

Eröffnung:

  • 06. September 2016, 18.00 Uhr

Grußworte:

  • Klaus Schlie, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages

    Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen (BStU)

Impulsvortrag:

  • Dr. Volker Höffer, Außenstelle Rostock, BStU

Podiumsgespräch:

  • Roland Jahn, Bundesbeauftragter
  • Klaus Schlie, Landtagspräsident
  • Jürgen Eggert, Zeitzeuge und politischer Häftling
  • Aaron Jessen, Mitherausgeber "2Grenzen überwinden. Schleswig-Holstein, Dänemark & die DDR"

Ort:

  • Schleswig-Holsteinischer Landtag, Düsterbrooker Weg 70, 24105 Kiel

Öffnungszeiten:

  • 07.09. – 23.09.2016, Montag -Freitag, 10.00 –18.00, Führungen nach Voranmeldung unter: 0172-813.3134 oder ausstellungen@bstu.bund.de

Bildungsangebote:

  • 07. und 08.09.2016, Schulprojekttage am Ausstellungsort
    Anmeldung: 030 2324–8937, bildung@bstu.bund.de

Mitveranstalter: Schleswig-Holsteinischer Landtag

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin

Hintergrundinformationen zu Kiel und Umgebung

Zahlen zur Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagen-Behörde
(1991 bis Juni 2016)
Anträge gesamt aus Schleswig-Holstein: 27.919
- darunter persönliche Akteneinsicht: 23.299
Anträge gesamt aus Kiel: 4.344
- darunter persönliche Akteneinsicht: 1.839

Im Visier der Stasi: Kiel und seine Bewohner

Feindobjekt "Schleswig" und Reisegruppen in die DDR

Die Landeszentrale für politische Bildung in Kiel war der Stasi in den 1980er Jahren ein Dorn im Auge. Weil sie die innerdeutschen Kontakte durch regelmäßige Bildungsreisen in die DDR fördern wollte, geriet sie in den Verdacht, "subversive Tätigkeit" gegen die DDR ausüben zu wollen. Die Stasi-Abteilung VI (Passkontrolle, Tourismus) der Bezirksverwaltung Rostock stufte die Kieler Landeszentrale als Feindobjekt ein und gab ihr den Decknamen "Schleswig". In Folge wurden von der Landeszentrale betreute Reisegruppen, die in die DDR reisten, mit großem Aufwand überwacht und kontrolliert. Inoffizielle Mitarbeiter schrieben Berichte über den Ablauf der Reisen, diverse Abteilungen der Stasi vermerkten detaillierte Reisedaten sowie jede Aktivität. Nicht anders erging es den in den 1980er Jahren in der DDR reisenden Fraktionen des Kieler Landtags, die bei ihren Besuchen in Rostock, Stralsund oder Wismar lückenlos überwacht wurden, inklusive Fotos und Abhören von Telefonaten.

Kieler Uni-Mitarbeiter im Visier der Stasi

Anfang 1987 geriet ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Kiel ins Visier der Staatssicherheit. Als Forscher am Institut für Meereskunde war er auf verschiedenen Konferenzen in Skandinavien, der damaligen UdSSR und der DDR unterwegs und hatte sich dort mit einem Mitarbeiter des Instituts für Meereskunde in Warnemünde mehrfach ausgetauscht. Was der Kieler nicht ahnen konnte war, dass sein Gesprächspartner in den Akten der Stasi als IMB "Schneider" über die Treffen berichtete. IMB steht für Inoffizieller Mitarbeiter mit "Feindberührung", also direktem Kontakt mit dem "Klassenfeind". Die Stasi vermutete, dass der Kieler ein Agent des Verfassungsschutzes sein könnte. Gleichzeitig war er von Interesse, weil er Zugang zu Satellitenaufnahmen hatte, die in der DDR nicht zugänglich waren. So gab die Stasi der Überwachung des Mannes den Decknamen Operative Personenkontrolle (OPK) "Satellit". Über zwei Jahre lang stand der Mann unter Beobachtung - nicht zuletzt weil die Stasi wie so oft auch an wissenschaftlichen Informationen interessiert war, die sie für die DDR nutzen wollte.

Kontakt zur Pressestelle

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin

Pressesprecherin

Dagmar Hovestädt

Telefon: 030 2324-7170