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Pressemitteilung

"Feind ist, wer anders denkt" in Schweinfurt

Wanderausstellung des BStU über die Staatssicherheit der DDR

Wie erging es den Menschen in Ost und West, die ins Visier der Staatssicherheit der DDR gerieten? Mit welchen Methoden arbeitete sie? Und wie präsent war die Geheimpolizei auch in der Bundesrepublik? Antworten auf diese und andere Fragen gibt die Wanderausstellung "Feind ist, wer anders denkt", die am 25. September in Schweinfurt eröffnet wird. Die Schau dokumentiert, wie durch Überwachung, Bespitzelung und Unterdrückung die Macht der Staatspartei SED gesichert wurde. Sondertafeln zeigen Geschichten aus Franken und der Region Schweinfurt, die in den Stasi-Unterlagen dokumentiert sind. Unter anderem geht es um Spionage von Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) und einen aus der DDR geflüchteten Mann, der in Schweinfurt eine neue Heimat fand. Zwei Module erinnern an die Friedliche Revolution 1989.

Eröffnung: 25. September 2014, 19.00 Uhr

Begrüßung: Peter Rottmann, Schulleiter des Bayernkollegs

Grußwort: Sebastian Remelé, Oberbürgermeister

Gesprächsrunde: Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, im Gespräch mit Schülern (Bayernkolleg, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Schweinfurt und Jack-Steinberger-Gymnasiums Bad Kissingen)

Ort: Bayernkolleg Schweinfurt, Florian-Geyer-Straße 13, 97421 Schweinfurt

Öffnungszeiten: 25. September bis 15. Oktober Montags bis Donnerstag 13 bis 17 Uhr (3.10., 11-15 Uhr), zusätzlich für Schüler montags bis freitags 9 bis 13 Uhr.

Begleitprogramm

29. September, 14 bis 17 Uhr, Lehrerfortbildung.

1. Oktober, 19.30 Uhr, Bayernkolleg, Vortrag "Aktion Zug" – Botschaftsflüchtlinge auf der Fahrt von Prag nach Hof, Konrad Felber, BStU

7,.8., 9. Oktober Projekttage an Schulen.

Der Eintritt ist frei.

Elmar Kramer, Stellv. Pressesprecher

Hintergrundinformationen zu Schweinfurt und Umgebung

Zahlen zur Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagen-Behörde (1991 bis August 2014)

Anträge gesamt aus Bayern: 92.599

darunter persönliche Akteneinsicht / Kopienherausgabe: 68.537

Anträge gesamt aus Schweinfurt: 390

darunter persönliche Akteneinsicht / Kopienherausgabe: 370

Im Visier der Stasi: Schweinfurt und seine Umgebung

Der Inoffizielle Mitarbeiter (IM) "Egon Köhler" der Bezirksverwaltung Gera des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) reiste Mitte der 80er Jahre regelmäßig in die Bundesrepublik, das sogenannte Operationsgebiet (OG). Die Region Franken gehörte dazu – auch wegen der nahen DDR-Grenze und der stets vorhandenen Möglichkeit von Fluchtversuchen. Der Mann aus Südthüringen wurde mit verschiedenen Identitäten in die BRD eingeschleust, die Stasi hatte dafür gefälschte BRD-Personalausweise mit den Namen tatsächlicher Bundesbürger gefertigt. Die Reisen waren stets minutengenau durchgeplant, ebenso die Codevereinbarungen für den Fall, dass er festgenommen würde. Sein Auftrag war es, als Kurier die Region und das Grenzgebiet auszukundschaften, damit spätere Einsätze von Stasi-Mitarbeitern und Treffen mit Informanten geplant werden können. Dazu gehörten Beschreibungen von Hotels, Gaststätten und Plätzen – auch, um Stellen auszukundschaften, an denen ein "Toter Briefkasten" (TBK) gut untergebracht werden kann. Dort sollten dann Stasi-Material und -dokumente deponiert werden können. Er fertigte Skizzen von Hotels an, getarnt als West-Berliner, der Ruhe und Natur genießen wollte.

Eine Flucht spielte in einem anderen Fall, der in den Stasi-Unterlagen dokumentiert ist, eine Rolle. Im September 1988 flüchtete ein junger Mann aus dem südthüringischen Lobenstein aus der DDR nach Schweinfurt. Die Stasi begann eine Untersuchung der Flucht und versuchte zu verhindern, dass der Mann weitere DDR-Bürger aus seinem Umfeld nachholte.

Daher wurde eine sogenannte Operative Personen-Kontrolle (OPK) mit dem Titel "Kumpel" eingeleitet. Das Ziel der Stasi war die aus ihrer Sicht "vorbeugende Verhinderung eines Angriffs auf die Staatsgrenze der DDR zur BRD". Ein auf seine Freunde angesetzter IM berichtete der Stasi von einem geplanten Treffen während eines Urlaubs in Bulgarien und über Familienreisen in die BRD. Eine Frau gestand später, dass sie eine Reise zur Flucht habe nutzen wollen. Zu weiterführenden Maßnahmen, die die Stasi plante, etwa für den Dezember 1989, kommt es nicht mehr – zu diesem Zeitpunkt war die Mauer bereits gefallen.

Kontakt zur Pressestelle

Dagmar Hovestädt, Pressesprecherin

Pressesprecherin

Dagmar Hovestädt

Telefon: 030 2324-7170